Willy Dietz, ein Deserteur oder ein Held? – Eine Fluchtgeschichte

Die Brüder Franz und Willy (rechts) Dietz um 1921
Wilhelm „Willy“ Dietz, mein Patenonkel, der Bruder meines Vaters Franz, war genau genommen ein Deserteur. Oder war er wegen seiner gefahrvollen erfolgreichen Flucht doch eher ein „Held!? Beurteilt selbst!
| Fahnenflucht war während des 2. Weltkrieges ein schweres Verbrechen. Nach dem damligen Recht standen darauf harte Strafen, wie z.B. Lagerhaft, Zwangsarbeit oder der Todesstrafe. Deserteure wurden vom NS-Regime als „Feiglinge“ oder „Asoziale“ abgestempelt und als „innere Feinde“ betrachtet, die die Moral der Truppe untergruben und als Bedrohung für das System galten.
Vermutlich hat dem einfachen Gefreiten Dietz dieser Rechtsbruch das Leben gerettet oder zumindest die Tortur eines russischen Gefangenlagers in Sibirien erspart. Seine Flucht trat der damals 25jährige am 5. April 1945 an, einen Tag, bevor um 12 Uhr der sowjetische Sturmangriff Königsberg in ein Inferno verwandelte, bei dem ca. 42.000 deutsche Soldaten getötet und ca. 92.000 gefangen genommen wurden. Dank seiner gewagten Entscheidung gehörte Willy nicht zu den Opfern. Unmittelbar nach der glücklichen Ankunft in seiner Heimatstadt Darmstadt verfasste Willy einen Bericht über seine tollkühne Flucht. Auf ihm basiert die folgende Zusammenfassung. Die Marschroute hielt der talentierte technische Zeichner und spätere Architekt auf einer Karte fest. Er legte zu Fuß, per Bahn, per Fahrrad und im LKW unter schwierigsten und gefährlichen Bedingungen über 1600 km Wegstrecke zurück. |
Gefreiter Willy Dietz mit seinen Eltern Elisabeth und Wilhelm Dietz |
Die Fluchtroute, Karte angefertigt von Willy Dietz unmittelbar nach der Flucht |
05.April 1945 Samland – Königsberg – Die Ausgangslage
Willy ahnte angesichts der desolaten militärischen Lage, was auf Ihn und seine Kameraden in der Wehrmacht in kürzester Zeit zukommen würde. Seine Einheit gehörte zur 58. Division, die im Samland westlich vor Königsberg stationiert war.
Die Soldaten lagen in notdürftig hergerichteten Schützengräben und hatten praktisch keine Munition mehr für ihre Waffen. Seit Tagen feuerten die russischen Stalinorgeln permanent Salven ab und belegten die deutschen Stellungen mit Artilleriefeuer. Willy schildert die Situation in seinen Worten:
| Es war eine regnerische und stürmische April-Nacht. Mein Kamerad Karl Eck stand am Maschinengewehr (M.G.) Posten im vordersten Graben. Der Russe schoss mit Artillerie und Granatwerfern; es war kein direktes Angriffsfeuer, sondern man merkte, dass er sich einschoss. Ich begab mich um Mitternacht vom Bunker herkommend zum M.G.-Stand und machte Eck darauf aufmerksam, dass fast stündlich mit einem Großangriff der Russen zu rechnen sei. Unsere Militärführung erließ den unsinnigen Befehl, dass die Stellungen nicht zu verlassen und von jedem Mann bis zum letzten Atemzug zu halten seien.“ |
Es ist aus heutiger Sicht erstaunlich, wie realistisch Willy die für ihn bedrohliche Lage analysierte und selbsttätig Konsequenzen daraus zog.
| „Wir waren von der Nachrichtentruppe zur Infanterie abgestellt worden und hatten keinerlei infanteristische Ausbildung erhalten. Fast vier Wochen waren wir nun schon bei dieser Waffengattung und hatten mit unserem harten Schicksal bereits abgeschlossen. Pioniere hatten unsere Grabenstellung mit Stacheldraht eingezäunt und in den folgenden Tagen sollte das vor uns liegende Gebiet vermint werden. Munition war nur noch in geringem Maße vorhanden und als letzter Rettungsanker wurde uns eine Holzkeule, an deren oberen Ende Drahtstifte eingelassen waren, überreicht. Damit sollten wir uns bis zum Ietzten Atemzug Mann gegen Mann verteidigen. Unsere Kompanie bestand aus 32 Mann, fast alles Kranke und Verwundete, mit denen man keinen Angriff mehr unternehmen konnte. Der Russe fuhr auf der Gegenseite mit Lastwagen seine infanteristischen Kräfte auf. Geschütz um Geschütz brachte er in Stellung. Die wohlbekannte „Stalinorgel“, sowie schwere ‚Granatwerfer standen uns in unzähliger Menge gegenüber. Ein furchtbares Getöse hätte es gegeben, wenn aus allen Rohren die todbringende Ladung über uns niedergegangen wäre.“ |
Während der Regen auf sie niederprasselte redete Willy auf seinen Kameraden am MG ein und wies ihn auf die tödliche Gefahr und bevorstehenden schweren Stunden hin. Er machte ihm klar, dass man – wenn überhaupt – nur mit einer sehr schweren Verwundung aus diesem Hexenkessel herauskommen würde. Um sich dem sich anzeichnenden „Feuerzauber“ zu entziehen, müsse man rechtzeitig den Kessel verlassen, so seine Schlussfolgerung.

Willy, dem eine gewissen Schlitzohrigkeit nicht fremd war, heckte einen Plan aus, den er dann auch umgehend mit seinem Kampfgefährden Eck umsetzte. Am Morgen des 5. April um 9 Uhr meldeten sich die beiden bei ihrem Kompanieführer Leutnant Schmied und klagten über Zahnschmerzen. Sie erhielten die Erlaubnis, sich zu dem etwa 500 m entfernten Truppenverbandsplatz zu begeben. Der Kompaniechef gab ihnen außerdem den Auftrag, beim Stab der Division Dokumente abzugeben.
Der Aufbruch – Marsch nach Pillau
Der diensthabende Assistenzarzt des Lazaretts stellte Ihnen eine Überweisung zur Zahnstation aus, die sich in Medenau, heute Logwino, etwa 3 km westlich von ihrem Standort entfernt, befand. Den Ortseingang kontrollierte die Militärpolizei, die sog. Feldgendarmerie. Couragiert gingen die beiden auf den Kontrollposten zu und erkundigten sich nach dem Weg zum Kompaniestab. Als sie ihren Auftrag erfüllt und die Papiere abgegeben hatten, gingen sie nicht zur Zahnstation, sondern umgingen auf Umwegen das Dorf Medenau und betraten ein leerstehendes Haus. Willy führte eine detailgetreue Deutschlandkarte mit sich, auf der auch sehr kleine Orte verzeichnet waren. In einem Dachstübchen studierten die beiden die Karte und fassten den Entschluss, noch am selben Tag zur Hafenstadt Pillau am frischen Haff aufzubrechen.

Fischhausen
Nach etwa 16 km kamen sie in der Kleinstadt Fischhausen an. Mit forschem Schritt marschierten sie weiter, bis sie zu einer stark befahrenen Verkehrsstraße kamen. Immer waren sie auf der Hut vor der Feldgendarmerie, deren Kontrollposten sie zweimal umgehen mussten. Nach wenigen Kilometern hatten sie Glück, denn ein LKW-Fahrer nahm sie mit nach Pillau. Der Laster hatte Bunkerholz geladen. Eck legte seinen Karabiner und die beiden Patronentaschen zwischen die Rundhölzer auf der Ladefläche. Willy behielt seine Parabellum-Pistole 08 mit 32 Schuss Munition am Mann.
Um 16 Uhr erreichten sie vom Hunger geplagt Pillau. Auf der Suche nach Reiseproviant entdeckten sie eine Verpflegungsstelle der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), wo gerade Brote auf ein Fahrzeug verladen wurden. Der Aufsichtsführende händigte ihnen drei Laibe aus, die sie dringend als Verpflegung für die geplante Weiterfahrt auf einem Schiff brauchten.
FLUCHT PER Schiff ÜBER DIE OSTSEE VON PILLAU NACH SWINEMÜNDE (Seeweg ca. 500 km)
06.April 1945 Pillau – Blinde Passagiere
Im April 1945 gab es von Pillau aus zahlreiche, aber riskante Verwundetentransporte über die Ostsee mit dem Ziel Hela bei Danzig. Die Marine bevorzugte Militär- und Verwundetentransporte, die einen erheblichen Teil der Schiffskapazitäten in Anspruch nahmen. Diese Transporte waren äußerst gefährlich, da Kampfflugzeuge und U-Boote der Roten Armee die Schiffe häufig angriffen.
Unverzüglich, nachdem Willy und Karl in Pillau angekommen waren, begaben sich die beiden Fahnenflüchtigen zum Hafen, wo sie das Handelsschiff „Weserstrom“(1900 BRT) entdeckten. Es hieß, dass der Kahn in den nächsten 24 Stunden auslaufen sollte. Am Hafenbecken II beobachteten sie aus sicherer Distanz, wie Verwundete und auch Truppenteile mit ihren Fahrzeugen verladen wurden. Sie überlegten krampfhaft, wie sie es bewerkstelligen konnten, als blinde Passagiere an Bord des Schiffes zu gelangen. Das Vorhaben war nicht einfach, denn am Landungssteg und im Umkreis von 300 m um das Schiff waren Posten der Heeresstreife aufgestellt. Am Landungssteg selbst überwachten ein Major und ein Feldwebel mit silbernen Achselstücken genaustens jede Bewegung auf der Passage zum Schiff.

Ihre Nerven waren aufs Äußerste angespannt. Wie sollten sie unbemerkt auf diesen Kahn kommen? Den ersten Plan, sich in einem LKW zusetzen und sich mit dem Fahrzeug vom Kran an Bord hieven zu lassen, verwarfen sie. Bei Tageslicht hätte man sie sicher bemerkt. Sie warteten also die Dunkelheit ab. In der Zwischenzeit war es ihnen gelungen, sich Übermäntel zu besorgen.
Sie warteten in unmittelbarer Nähe des Steges auf einen günstigen Moment. An Bord wurden weiter wie bisher nur Verwundete und Fahrzeuge geladen. Plötzlich rief der dort stehende Major der Heeresstreife: ‚Acht Mann Arbeitskommando!‘ Das war das Signal, auf das Willy und Karl gewartet hatten. Mit einem Sprung waren sie auf dem Landungssteg und kletterten zusammen mit anderen Soldaten auf einer Leiter die Schiffswand hoch. Auf dem Deck angelangt trennten sie sich sofort vom Arbeitskommando und begaben sich in eine Kabine der Flak-Matrosen, in der sie sich während der gesamten Überfahrt aufhielten. Der Raum war warm, und selbst an Radiomusik fehlte es nicht.
Das Schiff legt ab
Am 06.April 1945, abends um 19.20 Uhr, bei Einbruch der Dämmerung setzte sich die „Weserstrom“ in Bewegung. Mehrere Schiffe sammelten sich zu einem Geleitzug, der links und rechts von Schiffen der Kriegsmarine gesichert wurde. Während der Fahrt mit mäßigem Tempo aus dem frischen Haff Richtung Danziger Bucht schoss mehrmals die russische Artillerie vom Festlande her, glücklicherweise ohne Erfolg.
| „Inzwischen sammelte sich auf dem Deck Soldaten und Offiziere. Ein jeder war bestrebt, ein windstilles Eckchen für die bevorstehende Nacht zu finden. Wir hatten eine relativ komfortable Unterkunft. In dicke Übermäntel gehüllt machten wir es uns auf dem Fußboden in der Matrosenkabine gemütlich. Das Schaukeln des Schiffes wiegte uns in den Schlaf.“ |
7. April 1945 Hela-Danzig – „Du schaffst es bestimmt, wie ich dich kenne!“
Am anderen Morgen, als wir wach wurden, hatte das Schiff bei Hela an der Danziger Nehrung Anker geworfen. Fast einen ganzen Tag mussten wir hier liegen, da die vorgesehene Route erst von Seeminen geräumt werden musste. Den Passagieren wurde nicht „langweilig“, denn sie wurde durch mehrmaligen Fliegeralarm aufgechreckt. Bei Dunkelheit ging es weiter in Richtung Insel Rügen. Eine weitere Nacht auf dem hin und her schwankenden Ostseedampfer stand bevor. Kaum waren wir ausgelaufen, als es erneut Fliegeralarm gab. Sechs sowjetische Torpedoflieger tauchten am Horizont auf. Als die Piloten mit ihren Maschinen bereits zum Sturzflug ansetzten, wurde das Schiff von einer dichten Nebelwand verschluckt und damit schlagartig der Sicht der Angreifer entzogen. Was für eine glückliche Fügung! Nach der Entwarnung spazierte Willy über das Deck und sah sich die anderen Schiffe Geleitzuges an.
Treffen mit einem alten Studienfreund
Während er an der Reling stehend aufs Meer blickte, wurde er von hinten an der Schulter gepackt und mit seinem Namen angeredet. Ein Riesenschreck fuhr im in die Glieder. Aber er erkannte bald seinen alten Studienfreund Heinrich Kuhn aus Auerbach-Bensheim an der Bergstraße.
Sie tauschten sich aus über die augenblickliche militärische Lage. Kuhn wunderte sich, dass sie als junge Soldaten immer noch bei der Nachrichtentruppe sein konnten und nicht im Fronteinsatz. Willy schwieg dazu und dachte im Stillen nur, wenn du wüsstest!!! Schließlich, nach längerem Nachdenken, fasst er dennoch den Entschluss, das Risiko einzugehen, seinen alten Freund Heinrich in seine Pläne einzuweihen.
Dieser fiel aus allen Wolken, gab aber das Versprechen ab zu schweigen. Er unterstützte Willys Vorhaben, indem er ihn mit Verpflegung eindeckte. Die Büchsen mit Ölsardinen und Fleisch und das Brot konnten auf der weiteren Reise sehr nützlich sein. Willy versprach ihm, sein Wunsch zu erfüllen, nach seiner Ankunft in der Heimat Heinrichs Angehörige in Auerbach zu besuchen und ihnen von der rettenden Überfahrt zu berichten. Er wünschte Willy alles Gute und verabschiedete sich mit den aufmunternden Worten: „Du schaffst es bestimmt, wie ich dich kenne!“
MIT DEM ZUG VON USEDOM NACH WERDAU IM VOIGTLAND (ca. 500 km)
10. April 1945 Swinemünde – Auf Schusters Rappen nach Usedom
Kaum war die „Weserstrom“ am 10. April 1945, um 15.30 Uhr sicher und unversehrt im Hafen von Swinemünde eingelaufen, als es schon wieder Fliegeralarm gab. In wenigen Minuten war das Schiff durch das Zünden von Rauchgranaten völlig eingenebelt und damit der Sicht der Kampfflieger entzogen. Eine halbe Stunde nach der Entwarnung konnte mit dem Ausladen begonnen werden. Soldaten mit Gepäck, Waffen und voller Ausrüstung verließen das Deck und gingen den schmalen Steg an Land. Beim Verlassen des Schiffes gerieten die beiden Deserteure wieder eine gefährliche Situation. Überall hatten Posten der Heeresstreife Aufstellung genommen. Dieser Ordnungsdienst hatte die Befugnis, Soldaten ohne Papiere oder Urlaubsschein in Arrest zu nehmen und weitere Disziplinarmaßnahmen zu veranlassen.
Da Willy und Karl nur eine Packtasche und kein weiteres Gepäck mit sich führten, waren sie auf die Frage der Posten vorbereitet. Als Ausrede wollten sie sagen, ihr Gepäck sei schon an Land, sie hätten nur die vergessenen Packtaschen geholt. Wieder hatten sie Glück. Ungeniert passierten sie die Kontrollstelle.
Kaum hatten sie festen Boden unter den Füssen, machten sie sich auf die Suche nach der Straße in Richtung Usedom. Da der nächste Zug, wie sie dem Fahrplan am Bahnhof entnehmen konnten, erst am nächsten Vormittag fuhr, ging es auf Schusters Rappen Richtung Insel Usedom. Diese war etwa 30 km entfernt. Alles andere als beruhigend waren die roten Zettel, die sie beim Durchwandern kleiner Ortschaften an den Hauwänden entdeckten. Auf ihnen stand, dass jeder Wehrmachtsangehörige, der sich auf der Insel Usedom aufhielt, im Besitz eines Inselausweises sein müsse, da er sonst als fahnenflüchtig angesehen würde und entsprechende Konsequenzen zu tragen hätte. Unterschrieben war die Bekanntmachung vom Kommandeur der Heeresgruppe „Weichsel“, Reichsführer der SS Heinrich Himmler. Erneut wurden ihnen bewusst, in welch gefährlicher Lage sie sich befanden und agierten umso vorsichtiger.
06.April 1945 Usedom – Mit dem Güterzug nach Pasewalk
Gegen 20.00 Uhr trafen sie in der Stadt Usedom ein. Die Brücke auf dem Weg nach Anklam, die sie ursprünglich nehmen wollten, war für sie wegen der strengen Kontrollen und ohne Inselausweis unpassierbar. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich zum Bahnhof zu begeben und nach einem geeigneten Zug Ausschau zu halten.

Inzwischen fing es an zu dämmern. Sie hielten es für ratsam sich in der Nähe des Bahndamms aufzuhalten, um einen günstigen Zug zu erwischen. So lagen sie nun im Graben des Bahnkörpers unmittelbar an der Einfahrt zum Bahnhof Usedom und blickten jeweils beim Ertönen, der Bahnhofsglocke auf die Einfahrtsignale. Immer wieder mussten sie mit Entsetzen feststellen, dass fast alle Züge in die „falsche Richtung“, also nach Swinemünde fuhren. So verging Stunde um Stunde und allmählich gaben sie schon die Hoffnung auf. Wieder ertönte die Glocke, die einen vorbeifahrenden Zug ankündigte. Am grünen Licht des Signals erkannten sie, dass dieser Zug in Richtung Anklam fahren musste. denn dort erblickten sie das grüne Licht des Signals. Rasch verließen sie ihren Warteplatz und begaben sich auf die Gleise. Von weitem, konnte man schon das Rattern der Räder vernehmen.
Dem Klang nach musste es ein Güterzug sein, und richtig es war so. Die Lokomotive raste vorbei und sie schauten, nebenherlaufend nach einem Güterwagen mit einem Bremserhäuschen. Als sie eines entdeckten und gerade im Begriff waren auszuspringe, fielen beide plötzlich wie auf ein Kommando flach auf den Boden. Sie hatten nicht bemerkt, dass sie an dem einen halben Meter höheren Bahnsteig angekommen waren. Sofort waren sie wieder auf den Beinen und rasten dem Bremserhäuschen hinterher. Sie schwangen sich auf die Trittbretter und ließen sich außer Atem auf den Boden fallen. Willy machte sich alsbald auf die Suche nach etwas Essbaren. Er kletterte auf die Güterwagen und wurde bitter enttäuscht: in den vielen Kisten war nichts anderes als Munition. Sie überquerten die Brücke, die damals die Insel Usedom noch mit dem Festland verband. (Drei Wochen später wurde sie durch die Wehrmacht gesprengt.) Im Dunkeln erkannten sie dort Umrisse der Wachposten. Nachdem sie den Bahnhof Anklam passiert hatten, rätselten sie wohin die Reise gehen würde. Am sternenklaren Nachthimmel entdeckten sie Nordstern und wussten nun, dass sie in südlicher Richtung fuhren. Mit Hilfe ihrer Karte, versuchten sie herauszufinden, durch welche Städte sie kommen würden. In Pasewalk stoppte der Zug auf einem Nebengleis. Vom Lokführer erfuhren sie mit Bedauern, dass der Zug nicht weiterführe. Es war immer noch Nacht. Im Dunkeln stolperten sie über Gleise, um einen Zug nach Berlin ausfindig. Das diensttuende Personal konnte ihnen auch nicht weiterhelfen. Am Horizont tauchten wieder zwei Lichter auf, welche immer größer wurden.
Im Lazarettzug von Pasewalk über Eberswalde vorbei an Berlin über Groß Beeren über Luckenwalde nach Jüterbog
Sie gehörten zu einem Lazarettzug, der in Pasewalk hielt. Ohne zu fragen gingen wir in den vorletzten Wagen, da der letzte ein Flak-Schutzwagen war. Kein Mensch hielt sich hier in dem Seitengang des Wagens auf und nach zehn Minuten Wartezeit setzte sich der Lazarettzug in Bewegung. Von neuem begann für uns das große Rätselraten. Es fing auch schon an, langsam Hell zu werden. Sie setzen sich auf eine freie Bank und versanken durch das gleichmäßige Rattern der Räder bald in einen tiefen Schlaf. Gegen 08.00 Uhr früh wurden sie durch das laute Gebrüll eines Bahnbeamten geweckt. Unzulässigerweise befanden sie sich in einem Heizwagen. Der Eisenbahner akzeptierte ihre Auskunft, der Bahnhofskommandant von Pasewalk hätte ihnen diesen Zug angewiesen hätte.
Nachdem sie eine Zigarette angeboten hatten, wurde der Bahner friedlicher. Bald schon führten sie ein interessantes Gespräch. Ein bestimmtes Reiseziel des Zuges konnte er ihnen nicht nennen. Angeblich sollte Halle/ Saale die Endstation sein Abwechselnd legte sie sich auf eine Pritsche und holten ihren Schlaf nach. Willy verfolgte auf seiner Karte die Route des Zuges. Vorbei an Angermünde und Eberswalde schienen sie sich einer Großstadt zu nähern. Es musste Berlin sein. Um 11.00 Uhr erlaubten sie sich mit ihren wenigen Vorräten eine Brotzeit.
| „Soeben fuhren wir durch Bernau nordöstlich von Berlin. Dort sah man schon die Berliner S- Bahn verkehren. Im großen Bogen fuhren wir durch die Außenbezirke der Reichshauptstadt Berlin und überall sah man Arbeitskommandos, die Panzer- und Schützengräben aushoben. Alle‘ Hauptstraßen wurden mit Baumsperren verbarrikadiert, welche als Panzersperren dienen sollten.“ |
Ohne zu halten ratterte der Lazarettzug um Berlin herum bis nach Groß Beeren. Dort musste der Zug drei Stunden auf einem Nebengleis warten, um zahlreiche Truppentransporte passieren zu lassen. Nach etwa einer Strecke von 50 km war in Jüterbog wieder ein längerer Halt.

Bahnhof Jüterbog
Jüterbog – Der Brot-Diebstahl
Vergeblich suchten die beiden Fahnenflüchtigen nach einem günstigeren Zug. Vom Hunger getrieben hielten sie nach etwas Essbaren Ausschau.
| „Am vordersten Wagen angelangt, sahen wir einige Soldaten mit Körben und Wolldecken stehen, die den Auftrag hatte Brot für die Verwundeten zu holen. Schnell zeigten wir uns behilflich und meldeten uns auch zu diesem Kommando. Der Weg führte außerhalb des Bahnhofs und wir gingen mit unseren Körben durch die Sperre, wo ebenfalls Heeres-Streifen standen. Wir sagten, dass wir zum Lazarettzug gehören und Verpflegung für die Verwundete empfangen, weshalb wir anstandslos die Sperre passieren konnten.“ |
Willy empfing zehn Brote, die er in einer Wolldecke trug, während zwei weitere Landser zwanzig Brote in ihrem Korb transportierten.
Auf dem Rückweg zum Zug drängte Willy sich ganz dicht hinter deren Korb und stibitzte in der Dunkelheit unbemerkt ein Brot. Er legte es neben einer Schiene ab und lieferte ordnungsgemäß seine empfangenen Brote ab. Angesichts der großen Lebensmittelknappheit in Deutschland war der Diebstahl von Lebensmittel ein schweres Vergehen. Der am Wagen stehende Landser fragte mich, ob ich meinen Freund suchen würde, was ich mit ja beantwortete. Ferner sagte dieser Soldat, dass ich sofort mal meinen Kameraden herschicken sollte, da er ein Brot entwendet haben sollte. Vor dem Heizwagen saß Karl Eck bereits auf dem Trittbrett. Willy legte sein Brot zu dem von Karl in die Packtasche.

Inzwischen hatte man gemerkt, dass Brote fehlten. Fünf Landser machten sich auf die Suche nach den Dieben. Willy versteckte sich hinter einem Brückenpfeiler und konnte von dort aussehen, wie sie seinen Kameraden Eck verfolgten. Ein vorbeifahrender Güterzug versperrte ihm dann die Sicht. Als die Luft rein war, ging Willy wieder zu ihrem Wagen zurück und traf auf Karl, den man gestellt hatte und der sich mit großer Mühe aus der Situation herausreden konnte. Beide waren heilfroh, dass das Unterfangen geklappt hatte. Für sie als Fahnenflüchtige hätte es auch zu einer tödlichen Katastrophe werden können.
- April 1945 Dessau Roslau
Sie mussten bis etwa 14 Uhr warten, als ein Güterzug vorbeifuhr, auf den sie aufsprangen. Dort trafen sie eine Eisenhahnbeamten, der nach Aachen wollte. Die Fahrt war kurz. Schon bald hielt der Zug in Roslau bei Dessau auf einem Abstellgleis eines großen Rangierbahnhofes. In einem Waggon entdeckten sie Blockbutter in einem Holzfass und wickelten eine ordentliche Portion in ihre Handtücher. Von der Auskunft erfuhr der Bahnbedienstet, dass hier keine Personenzüge verkehrten und sie zurück zum Hauptbahnhof Dessau gehen mussten. Über die Gleisanlage marschierten die Drei auf den Schwellen 6 km bis zum Hauptbahnhof Dessau. Dort angelangt, standen dem Bahnsteig einige Sitzbänke mit sehr hohen Rückwände und sie nahmen darauf Platz, um sich zu stärken. Sie setzten sich mit dem Rücken zur Sperre, da dort Feldgendarmerie – Posten standen und alle Soldaten kontrollierten. Die köstliche Butter ließen sie sich beidseitig auf das Brot geschmiert gut schmecken. Sie brachten in Erfahrung, dass gegen 18.00 ein Zug nach Leipzig abfahren würde. Sie setzten sich in den französischen D-Zug mit sehr niederen Fensterbrüstungen. In den Fenstern war keines Glas mehr. Karl Eck saß Willy gegenüber am Eingang des Wagenabteils, so dass jeder eine Richtung des Ganges ausspähen konnte; denn sie hatten große Angst, von einer Heeresstreife im Zug erwischt zu werden. Die beiden hatten vereinbart, dass sie, sobald eine Kontrolle auftauchte, sofort aus dem offenen Fenster des Zuges springen würden.
12. April Leipzig – Marsch durch Ruinen
Gott sei Dank verlief alles glatt bis zur Ankunft in Leipzig gegen 2.00 Uhr nachts. Es war der 12.04.1945. Ihr Augenmerk konzentrierte sich auf die Heeresstreifen an den Bahnsteigen. Sie mussten sich äußerst vorsichtig bewegen, um noch einem Zug in Richtung Hof / Bayern ausfindig zu machen. Ärgerlicherweise bekamen sie die falsche Auskunft, dass Züge nach Hof vom Bayerischen Bahnhof abfahren würden. Umsonst machten sie sich auf den fast einstündigen Fußweg durch das nächtliche Leipzig. Sie sahen die vielen Ruinen, der durch zahlreiche Fliegerangriffe stark zerstörten Stadt. Noch glühte in einigen Ruinen der Koks feuerrot vom letzten Luftangriff. Zur mitternächtlichen Stunde traten sie wieder den Rückweg zum Hauptbahnhof an.

Gegen 40 Uhr am 13.04.1945 saßen sie dann endlich in dem Zug Richtung Hof / Bayern. Über Altenburg ging es in südliche Richtung. Sehr oft musste der Zug unterwegs wegen der feindelichen Kampfflieger stoppen.
13. April Werdau – Fahrrad-Klau
Um 10.30 Uhr erreichten sie Werdau, ein Städtchen im Vogtland. Aus den Lautsprechern wurde verkündet, dass der Zug wegen Kriegseinwirkung nicht mehr weiterfahre. Damit waren für sie nun endgültig Schluss mit dem relativ bequemen Reisen per Bahn. Noch auf dem Bahnsteig berieten der Eisenbahner, Karl Eck und Willy, wie ihre Flucht nun weitergehen solle. Sie kamen auf die geniale, Idee Fahrräder zu „organisieren“. Da der Bahnbedienstete schon älter war, bat er die jungen Leute ihm ein Fahrrad zu besorgen. Er setzte sich in eine Grünanlage und wartete ab.

Karl Eck und Willy machten sich auf die Suche. Willy ging zu einer Polizeistation, wo einige Räder vor dem Haus abgestellt waren. Im Vorbeigehen kontrollierte er, welches der Räder nicht gesichert war. Im Flur der Plizweiwache tat er so, als würde er einige Bekanntmachungen lesen, verließ rasch wieder das Gebäude, hing seine Tasche an ein unabgeschlossenes Fahrrad und fuhr in Windeseile davon. Als er in einem benachbarten Stadtteil, begab er sich in ein Haus und bat die Bewohnerin der Parterrewohnung, sie solle sein Rad, welches er dort vor ihrem Küchenfenster abgestellt habe, aufpassen. Er hätte er noch etwas zu erledigen, könne das Rad aber nicht abschließen.
Zu Fuß ging er eine Straße weiter und sah an der Bordsteigkante vor einer Ausgabestelle für Lebensmittelkarten ein unverschlossenes Damenfahrrad stehen. Kurzentschlossen schwang er sich von hinten auf den Sattel und fuhr umgehend in die Grünanlage zu dem dort noch immer wartenden Eisenbahner. Er sagte zu ihm: „Jupp, hier ist dein Rad.“ Erfreut gab dieser ihm 50 Reichsmark. Willy bat ihn noch, eine Weile zu warten, denn er müsse noch „sein“ Rad abholen.
Als er bei der Hausbewohnerin eintraf, stand diese schon ganz aufgeregt am Eingang und teilte ihm mit, dass ein Soldat sein Rad entwenden wollte. An der Personenbeschreibung erkannte Willy, dass der vermeintliche Dieb Karl Eck gewesen sein musste. Willy war erleichtert, dass nicht der eigentliche Eigentümer aufgetaucht war und ihn zu Rechenschaft ziehen wollte. Er regte künstlich sich auf und schimpfte über „die Dreistigkeit und Gemeinheit“ einiger Leute.
Zu seiner großen Freude wurde von der Dame zum Mittagessen eingeladen. Gestärkt durch eine kräftige Mahlzeit kam er in der Parkanlage an, wo bereits die beiden Kollegen mit je einem Fahrrad auf ihn warteten.
13. April 1945 ab Werdau – Die Straßensperre
Vereint wurde die Fahrt gegen 13.50 Uhr per Rad fortgesetzt. Jupp haben sie stets als unverdächtigen Eisenbahner in einem gewissen Abstand vor sich herfahren lassen, damit er sie bei einer eventuellen Militärkontrolle rechtzeitig warnen konnte. Kurz vor der Ortschaft Greiz war die Straße auf voller Breite mit einem Zaun abgesperrt. Dahinter stand ein Doppelposten mit Maschinengewehr bewaffnet. Jupp verabschiedete sich, denn er konnte mit seinem Dienstausweis ungehindert die Sperre passieren. Karl und Willy schlugen ich seitwärts in die Büsche. Mit den Rädern auf dem Rücken stiegen sie den Hügel hoch und umgingen querfeldein den Kontrollposten.
14. April 1945 Ranspach – Der Hosen-Klau
Auf einer Annhöhe angelangt, fuhren sie eine Weile über Feldwege und Waldschneisen bis nach Ranspach. Gegen 18.20 Uhr erreichten sie einen Bauernhof, der schon vollgestopft war mit einquartierten Wehrmachtsangehörigen. Sie zogen weiter von Haus zu Haus bis sie endlich einen Bauern fanden, der sie in der Küche übernachten ließ. Da Willys Hose vom Radfahren am Gesäß zerrissen war, bat er den Bauer, ob seine Frau die Hose nähen könne. Der Bauer schlug ihn eine bequemere Lösung des Problems vor: Er verwies auf einen in der Scheune geparkten LKW, der beladen war mit Militärkleidung.

Bauernhof Vogtland
An nächsten Morgen stieg Willy von hinten auf die Anhängerkupplung des LKWs, um sich nach einer geeigneten Hose umzusehen.
Plötzlich tauchte das Gesicht eines Soldaten aus dem Kleiderhaufen auf und wollte wissen, was Willy suche. Geistesgegenwärtig fragte er den Landser, ob er etwas Benzin für sein Feuerzeug hätte. Dieser verneinte und legte sich murrend wieder schlafen. Im Hinunterspringen griff Willy eine Hose, die er umgehend auf dem Plumpsklo anzog. Die zerrissene Hose warf er wieder auf den LKW, damit wenigstens die Anzahl der Hosen wieder stimmte.
Als sie sich abends in der Küche schlafen legen wollten, hörte Willy im 1. Obergeschoss des Hauses jemand seinen heimatlichen Dialekt sprechen. Er ging nach oben und sagte „Heimatklänge“. Er stand vor einem Hauptmann einer Panzereinheit, der aus Worms stammte. Der Offizier wollte wissen, bei welcher eine Truppe sie seien. Wie üblich erzählt den Willy glaubhaft den Schwindel, dass sie von Heeresnachrichten seien und als Entstörungstrupp zum Einsatz kämen, diesmal in Hof Bayern.
14. April 1945 Untertiefengrün / Hof – Kleiderwechsle
Gegen 9.00 Uhr schwangen sie sich wieder auf ihre Räder und verließen den Ort Ranspach.
Unterwegs trafen sie noch einige SS- Verbände und erzählten wieder das Märchen von den Störungssuchern einer Nachrichteneinheit. Klugerweise hatten sie die Papiere ihrer ehemaligen Einheit behalten, mit denen sie sich als Angehörige eines Störungssuchtrupps ausweisen konnte. Noch am selben Tag trafen sie gegen 16.30 in Unter – Tiefengrün/Berg ein, ein Ort an der Saale, die hier die Grenze zwischen Thüringen und Bayern bildet. Unterwegs sahen sie die Bewohner erstaunt an, da sie als deutsche Soldaten noch in Uniform waren. In jedem Ort standen Grüppchen und erzählten ihnen, der Volkssturm habe sich schon aufgelöst. Die Reste der gesprengten Brücke lagen im Flussbett der Saale. Zu Fuß trugen sie über die Betonbrocken steigend ihre Räder auf das andere Ufer nach Bayern.

Überquerung der Saale zu Fuß über Betonbrocken
| Um Zivilkleidung zu bekommen erkundigten sie sich nach Familien, deren Angehörige gefallen waren. In einer Schreinerei wurden sie fündig. Ihre Uniformen nebst Pistole und Munition vergruben sie im Garten des Hauses. Die Bewohner baten sie vor lauter Angst vor den Amerikanern, in den Keller zu gehen. Willy erwiderte, dass sie sich bei einer Hausdurchsuchung in einem Kellerversteck viel verdächtiger machen würden. So blieben sie in der Wohnung. Willy rasierte sich. Durchs Fenster sah wer wie amerikanische Panzerkolosse anrollten und an der gesprengten Saale-Brücke umkehrten. Am Sonntagvormittag errichteten die Amerikaner eine Behelfsbrücke, so dass sie ihren Vormarsch nachmittags fortsetzen konnten.
Im nahen Hirschberg gab es eine Lederfabrik. Bei einer eventuellen Kontrolle wollten sie auf der Weiterfahrt angeben, dass sie in der Fabrik dienstverpflichtet seien. Ihre Gastgeber luden sie am Sonntag am 15.04. 1945 zum Mittagessen ein. Sie labten sich an Klößen, Rinderbraten mit Salat und Vanillepudding. Sie bedankten sich aufs Herzlichste für die ausgezeichnete Gastfreundschaft und fuhren gegen 13.30 Uhr von Unter–Tiefengrün los.April 1945 Abfahrt von Untertiefengrün / Hof Beim Durchfahren der Ortschaften entdeckten sie an den Hauswänden kleine Schilder, auf denen in Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch stand: „Achtung Kriegsgebiet! Reisen verboten! „ |
Willy Dietz in Zivilkleidung |
Im nächsten Ort stand am Ortseingang ein Hilfspolizist mit weißer Armbinde und fragte sie, wo sie hinwollten. Sie gaben nur den nächsten Ort an und konnten so weiterfahren. Mit dieser Methode kamen in dem Kriegsgebiet noch 40 km voran. Plötzlich hielt ein Jeep an, mit einem Offizier, der sie fragte wo wir hinwollten. Kurz entschlossen sagten sie ihm, dass sie bei VOMAG – eine Lastwagenfabrik – in Plauen / Vogtland beschäftigt waren und der Betriebsführer sie zum Volkssturm einsetzen wollte. Deshalb seien sie davongelaufen und befänden sich nun auf dem Weg nach Hause. Der Amerikaner ermahnte sie, dass sie sich im Kriegsgebiet befänden und eine schriftliche Bescheinigung brauchten.
15.April 1945 Gefangennahme durch die Amerikaner
Um eine solche Bescheinigung zu enthalten gingen sie im nächsten Ort zum Bürgermeisteramt. Der Bürgermeister, den sie in seiner Wohnung antrafen, forderte sie auf mitzukommen. In dem guten Glauben, es ginge zum Rathaus, führte er sie zum Bahnhof und übergab sie den Amerikanern als Kriegsgefangene. Im Wartesaal wurde ihnen ihr weniger Besitz abgenommen. Auch ihre Fahrräder, die Landkarte, die Armbanduhren und den Rest ihrer guten Butter mussten sie abgeben. Vor Wut biss Willy ein letztes Mal in die Butter und warf sie dann auf den Boden.
In dem Raum waren bereits ehemalige Wehrmachtsangehörige, die mit Krankenpapieren aus den Lazaretten entlassen waren, aber im Ort aufgespürt und festgenommen wurden. Es spielten sich herzergreifende Szenen ab. Die Frauen und Kinder der Soldaten kamen jammernd und heulend zum Bahnhof.
Gegen Abend wurden die Kriegsgefangenen auf kleine Fahrzeuge (Marke Doge) mit Geschützanhänger verladen und auf einen Bauernhof gefahren.

Bevor sie im Haus untergebracht wurden, mussten sie antreten und wurden von einem Offizier, der Frankfurter Dialekt sprach, gefragt, wo sie als Soldaten im Einsatz waren. Den Ersten fragte er nach seiner Militäreinheit und nach seinem Einsatzort. Als dieser bestritt, dass er Soldat gewesen sei, wurde ihm mit Fäusten ins Gesicht geschlagen.
Daraufhin gaben Willy und Karl wahrheitsgemäß an, dass sie an der Front in Ostpreußen waren und sich nun auf dem Nachhauseweg befänden. Vor der Befragung wurden sie am ganzen Körper nach Waffen und sonstige Gegenstände untersucht. Auf der Erde von ihnen häuften sich die Kämme, Drehbleistifte, Taschenmesser usw. Alles wurde den Soldaten abgenommen. Willy war festentschlossen seinen Taschenrechenschieber mit einem Lederetui nicht auf den Haufen zu werfen. Er ließ ihn zu Boden fallen und stellte seinen Fuß drauf. Nach der Durchsuchung hob er den Rechenschieber schnell auf und schob ihn in den Ärmel seines Mantels. Mehrmals musste er diesen Trick bei Untersuchungen anwenden und brachte so das gute Stück wieder sicher nach Hause.
Anschließend wurden die 15 Landser auf den Speicher des Hauses geführt, wo sie die Nacht verbringen mussten. Auf dem Boden waren Getreidekörner ausgebreitet, auf die sich setzten. Stündlich wurde ein amerikanischer Wachsoldat, der an einer brennenden Kerze saß, abgelöst. Er setzte mich in Willys Nähe, da er nicht schlafen konnte. Die beiden kamen ins Gespräch. Der GI wollte wissen, ob Willy verheiratet sei und auch Kinder hätte. Der noch ledige Willy flunkerte, um Mitleid zu erregen: Es sei verheiratet und hätte drei Kinder. Es funktionierte. Der US-Soldat schaute traurig drein und schenkte ihm Schokolade.
Am nächsten Morgen wurden sie wieder – diesmal auf größere LKW’S (Marke Studebaker) – verladen und einen größeren Ort namens Helmbrechts bei Hof transportiert.
Was Willy und Karl nicht wissen konnten: am Nachmittag des 13. April 1945, also drei Tage vor ihrer Ankunft und vor dem Eintreffen der Amerikaner wurde das sich in dem Ort befindliche Konzentrationslager aufgelöst. Als die Westfront näher rückte, wurden 577 Jüdinnen und etwa 590 meist slawische Frauen auf einen Todesmarsch Richtung Böhmen geschickt. 180 Frauen starben an Erschöpfung oder wurden von der SS ermordet.
Die Kriegsgefangenen wurden für 24 Stunden in das Lichtspieltheater des Ortes gesperrt. Das kleine Kino hatte nur 40 Sitzplätze.

Die Gefangenen wurden namentlich erfasst. Dies war schon der zweite Tag, an dem sie nichts zu essen bekamen.
18. April 1945 Sonneberg / Thüringen
Am dritten Tag der Gefangenschaft wurden sie wieder wie eine Viehherde verladen. Die Fahrt ging nach Sonneberg in Thüringen. Da die Zahl der gefangenen Soldaten ständig wuchs, wurden sie im Freien auf einem eingezäunten Gelände eingesperrt. Hier sollte es am nächsten Tag weitergehen.
Ein abgegrenzter Teil des Gefangenenlagers war schon mit Verpflegung versorgt und wartete auf die Weiterfahrt.Willy und Karl schmuggelten sich in diesem Teil des Lagers unter die Wartenden. Schon bald ging die Fahrt weiter. Auf diesem Transport standen sie nicht auf der Namensliste der Amerikaner. Sie hatten zwar durch Ihre Entscheidung die Essensausgabe verpasst, näherten sich aber umso schneller der Heimat.
19. April 1945 Abtransport durch die Amerikaner über Suhl, Zella – Mehlis bis nach Eisenach
Die Fahrt führte durch den Thüringer Wald über Suhl, Zella – Mehlis bis nach Eisenach. Unterwegs bei kurzen Stopps brachte die Bevölkerung Trinkwasser an die Fahrzeuge. Willy bat um Brot, da sie schon drei Tage nichts zu essen hatten. Als die Leute mit Brot aus dem Haus kamen, war die Kolonne leider schon abgefahren.
Gefangenenlager Nieder-Aula hei Bad Hersfeld
Von Eisenach ging dann die Fahrt bis nach Niederaula bei Bad Hersfeld. Hier wurden sie entladen und kamen in ein großes eingezäuntes Lager auf einer Wiese, durch die ein Bächlein floss. Tagsüber schien die Sonne, und es war schon recht warm. Am Abend versuchten sie sich in einer dort stehenden Sandkiste zu verkriechen, um sich vor der nächtlichen Kälte zu schützen.
Das Gefangenenlager bestand aus zwei Lagerabschnitten. Im kleineren Teil, in dem die Offiziere waren, stand ein Zelt. Karl und Willy krochen durch die waagrecht angebrachten Stacheldrähte, um im Zelt ein Schlafplatz für die Nacht zu suchen. Ihr Vorhaben scheiterte daran, dass in diesem Zelt nur Verwundete und Kranke Einlass bekamen.

Das Lager wurde sehr‘ stark bewacht. Auf vier Wachtürmen standen Posten. Nachts kreisten Scheinwerfer über das ganze Gelände, um eine Flucht unmöglich zu machen.
Auch die nächste Nacht verbrachten sie in diesem Offizierslager. Ihre Morgentoilette erledigten sie an dem kleinen Bach. Ein junger Leutnant lieh Willy sogar einen Rasierapparat, so dass er sich endlich wieder einmal rasieren konnte. Im Lager ging die Parole um, Verwundete und Kranke sollten abtransportiert werden.
Im Abschnitt der Mannschaftsdienstgrade sammelten sich am Lagertor bereits einige Verwundete warteten auf die Weiterfahrt. Nun robbten Willy und Karl wieder unter dem Stacheldrahtzaun hindurch, um in das Lager der einfachen Landser zu gelangen. Dort mischten sie sich unter die Wartenden. Nach einer Weile fuhren drei große LKW vor, auf die ein Teil der Beinamputierten geladen wurde.
Es entstand ein großes Durcheinander, da alle mitwollten. Die US-Wachmannschaften gingen rabiat mit Knüppeln und Schäferhunden gegen die drängenden Menschenmassen vor.
Willy steckte seinen rechten Arm in die Jacke gesteckt und ließ den Ärmel baumeln. Außerdem humpelt er wie seinerseits Propagandaminister Joseph Goebels. So schafften er und Karl es noch auf den letzten LKW.
19. April 1945 Weiterfahrt nach Schlozau bei Fulda – Flucht aus amerikanischer Gefangenschaft
Kurz darauf setzte sich drei große LKW‘ S (Studebaker) Richtung Autobahn in Bewegung. Der Fahrer war ein farbiger Angehöriger der US-Armee, der Beifahrer ein französischer Soldat mit einer Maschinenpistole. Hinter dem letzten LKW fuhr zur Bewachung der Gefangenen ein US-Soldat auf einem Motorrad. Im Stillen wünschte Willy dem Motorradfahrer eine Panne, damit sie flüchten konnten.

An einer großen Steigung der Autobahn, verringernden die Fahrzeuge ihre Geschwindigkeit. Dem Wachsoldat auf dem Motorrad war das zu langsam, so dass er die drei LKW‘ S überholte. Diese Chance nutzten die beiden. Sie sprangen von den schleichenden Lastwagen ab und schlugen sich seitwärts in die Büsche. Dort kauerten sie zwei Stunden bis sie die stark befahrene Autobahn überqueren konnten. Auf der Straße war ein reger Verkehr von Militärfahrtzeugen: Verwundeten-, Munitions-, Mannschafts- und Waffentransporte.
Willy und Karl marschierten querfeldein und trafen auf einem Acker einige Bauern, die ihnen den Weg zu dem 20 km entfernten Fulda erklärten.

19. April 1945 Ankunft in Schlozau / Fulda
Am Abend des 19. April 1945 um 20.15 Uhr trafen sie in einem Ort namens Schlozau ein. Sie übernachteten in einer Scheune. Der Landwirt bot ihnen eine Brotzeit an. Diese mundete ihnen nach drei Tagen des Hungerns und nach all den Strapazen besonders gut.
2o. April 1945 Ziegel bei Fulda
Am nächsten Tag setzten sie ihren Fußmarsch Richtung Fulda auf abgelegenen Feld – oder Waldwegen fort, stets den Blick in die Ferne gerichtet, um nach amerikanische Soldaten Ausschau zu halten. Sie umgingen bewusst Fulda in einem großen Bogen und trafen gegen 18.20 Uhr in Ziegel bei Istergiesel südwestlich von Fulda ein.
Auf einem Hof begegneten sie einem Landwirt, dessen Sohn schwerverwundet aus dem Krieg nach Hause kam. Zwei ausgebombte ältere Ehepaare aus Wiesbaden waren ebenfalls auf dem Hof einquartiert. Der Hofbesitzer lud alle zusammen zum Abendessen ein. Zur großen Überraschung von Willy und Karl gab es zum Essen auch noch Alkohol. Als die Stimmung immer besser wurde witzelte Willy und frage: “Was feiern wir eigentlich mit diesem fröhlichen Abendessen, etwa Führers Geburtstag?“ denn es war der 20. April. Alle brachen in großes Gelächter aus.
Am nächsten Tag gab es zum Frühstück Kaffee und belegte Brote. In Ermangelung einer Landkarte suchte Willy aus dem Atlas der Enkeltochter des Bauern ihre Marschroute heraus und machte sich eine Skizze. Sie bedankten sich herzlich für die genossene Gastfreundschaft und setzten ihren Marsch fort.
Breunings / Sinntal
Gegen Abend trafen sie in dem kleinen Ort Breunings ein. Hier bekamen sie fast in jedem Haus, in dem sie nach Essen fragten, Streuselkuchen mit Kaffee angeboten. Die Bewohner des Ortes hatten einen Waggon mit Butter und Zigaretten ausgeräumt. Karl und Willy konnten sich auch eindecken. Ein jeder hatten nun einen Vorrat von über 400 Stück Zigaretten und reichlich Streuselkuchen als Verpflegung.

Breunings – Sinntal
21. April Die Wege von Karl Eck und Willy Dietz trennen sich
Es war die letzte Nacht, die die beide gemeinsam verbrachten. Am nächsten Tag mussten sie getrennter Wege gehen. Karls Route führte über Jossa – Gemünden und Würzburg nach Ochsenfurt.
Am 21.04.1945 bei ihrer letzten gemeinsamen Wanderung hatten sie auch noch Pech. An diesem drüben Frühjahrstag hatten sie sich verlaufen und liefen im Kreis. Nach über eine Stunde des Weges kamen sie an der gleichen Stelle an, an der sie gestartet waren. Ihr Abschied fiel nach all den erlebten Abenteuern sehr innig aus. Sie versprachen sich, nach der Ankunft in der Heimat sofort Kontakt zueinander aufzunehmen
22. April Bieber – Spessart
Willy wandert nun allein durch die Rhön und war immer auf der Hut, um nicht doch noch amerikanischen Soldaten in die Hände zu fallen.

Beschwingt und guten Mutes lief er quer durch Wald und Flur. Das Gefühl, sich immer mehr der Heimat zu nähern, beflügelte ihn. Am Abend des 22. April 1945 lief er auf den Ort Bieber zu. Er sah auf der westlichen Anhöhe, wie zwei Amerikaner sich ebenfalls dem Dorf näherten. Umgekehrt bemerkten die Amerikaner durch ihr Fernglas auch Willy. Im erstbesten Bauernhof versteckte er sich auf dem Heuboden der Scheune. Es war eine Weile ruhig. Plötzlich hörte vom Wohnhaus des, Bauernhofes Stimmengewirr. Jemand sagt: „Hier German Soldier?“ Offensichtlich verneinten die nichts ahnenden Leute, denn es wurde wieder ruhiger. Nach einer Stunde, erlaubte er sich bei den Bauern im Wohnhaus vorzusprechen und sagte: „Hier ist doch eine German-Soldier und zwar einer, der‘ großen Hunger hat.“ Er bekam noch eine dicke warme Suppe mit Brot und Wurst.

Am frühen Morgen nach einer geruhsamen Nacht in der Scheune, marschierte er um 06.45 Uhr auf Schleichwegen über den Friedhof durch das Dorf bis zum Wald. Dort war er sicher vor einer Entdeckung aus der Luft durch Flugzeuge. Gegen Mittag sah er auf einer großen Wiese eine Telefonleitung, an deren Trassenverlauf er sich beim Weitergehen orientierte.
Plötzlich tauchte am Horizont in geringer Höhe ein Aufklärungsflugzeug auf. Sofort benutzte er seinen Wanderstab als Sense. So musste der Pilot glauben, ein Landwirt würde die Wiese mähen, und setzte seinen Flug fort.
24.April 1945 Schmerlebach/Aschaffenburg – Schuhwechsel
Gegen Abend erreichte er den Ort Schmerlebach. Hier war es schwer ein Quartier zu finden. So kampierte Willy auf dem Felde in einem aufgeschichteten Heuhaufen. Wegen der Kälte schlief er nicht sehr gut. Der Morgentau durchnässte seine Kleidung. Als er in der Frühe seinen Marsch fortsetzte, merkte er, dass das Leder seiner Schnürschuhe sehr hart geworden war. Bei jedem Schritt hatte er starke Schmerzen. Es gelang ihm, den rechten Schuh, der inzwischen so eng geworden war, dass er kaum noch gehen konnte, bei einem Bauern in einen größeren Schuh umzutauschen. Auf Schusters Rappen erreichte er dann das östliche

Auf dem gegenüberliegenden Ufer sah er einen Schleppkahn ankern, der in der Mitte defekt war. Er machte sich bemerkbar und signalisierte dem Schiffer, dass er übersetzen wolle. Zum Glück reagierte der Bootsbesitzer und holte ihn in einem kleinen Ruderboot aufs andere Ufer. Der Schiffer war Holländer. Der dunkelhaarige und sonnengebräunte Willy gab sich als ein Italiener aus. Er bedankte sich bei ihm für das Übersetzen über den Main und schenkte ihm Zigaretten.
24. April 1945 Heubach/Odenwald
Gegen 16.45 Uhr war er in Heubach im Odenwald. Hier lenkte er seine Schritte zur Familie Krimm, die ihn mit Freuden aufnahmen. Da seine Füße wund waren und er kaum noch laufen konnte, durfte er einige Tage bleiben und wurde bewirtetet. Er durfte sogar im Ehebett neben Herrn Krimm schlafen und musste ihm seine Flucht aus Ostpreußen bei Königsberg schildern. Sein Gastgeber riet ihm, gleich nach Ankunft zu Hause einen Bericht über das Erlebte zu verfassen, da sonst vieles in Vergessenheit geraten würde. Willy versprach es.
28.April 1945 Nieder-Ramstadt
Am 28.April 1948 verabschiedete sich der Fahnenflüchtige von Familie Krimm trat seinen weiteren Heimweg an. Gegen 17.00 Uhr kam er in Nieder – Ramstadt an.
Dort war in der Kirche in der Stiftstrasse die letzte Adresse seines Vaters Wilhelm Dietz, die ihm bekannt war. Willy traf dort zwei Barmherzigen Schwestern aus dem „Pensionshaus für allein stehende Damen“ in der Nieder Ramstädter Straße Nr. 30 in Darmstadt. Die Ordensfrauen waren hier als Ausgebombte untergebracht. Sie waren gerade beim Spargelschälen und wussten, dass der ausgebombte Herr Dietz Senior inzwischen in Darmstadt in der Frankensteinstrasse 48 wohnen würde. Da es schon spät war und der Bevölkerung nur bis 19.00 Uhr der Ausgang gestattet war, hat der Küster von St. Ludwig, Herr Kreuzer, Willy eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten. Herr Kreuzer kannte Willy und seinen Bruder Franz noch aus der Zeit, als Messdiener in der Ludwigskirche in Darmstadt waren. Dietz Senior war ihm als Organist und Kirchenrechner ebenfalls bekannt.

Am 29.April 1945 trat Willy nun die letzte Etappe seines Marsches von Nieder – Ramstadt nach Darmstadt – Bessungen an. Auf der Suche nach seinem Vater sprach er in der Frankensteinstrasse 48 vor. Hier erfuhr er, dass inzwischen Familie Dietz in eines der Eckhäuser Ecke Moosberg – und Herderstrasse verzogen sei.
Rasch näherte ich sich den Gebäuden und versuchte es im 1. , 2. und 3. Haus. Diese waren jedoch alle verschlossen waren. Im 4. Eckhaus stand die Tür offen.

Eckhäuser Ecke Moosberg – und Herderstrasse
Willy mit Vater Wilhelm Dietz |
Im Treppenhaus begegnete ihm ein junge Frau im schwarzen Kleid. Sie wusste, dass Familie Dietz im 3. Stock bei Familie Orth wohnte. Willy stürmte die Treppen hinauf und klingelte. Seine Mutter Elisabeth öffnete die Tür. Sie war so sehr überrascht, dass sie im ersten Moment ihren Sohn nicht wiedererkannte. Seine Schwester Maria war gerade im Keller. Dort traf sie Nachbarin Anne Hibler – Mädchenname Ännchen Hupfer -, die wissen wollte, ob Maria von schon etwas von ihren Brüdern gehört habe. Nicht ahnend, dass Willy oben in der Wohnung saß, verneinte sie. Entsprechend war die Wiedersehensfreude der Geschwister groß. |
Willy mit Schwester Maria Dietz |
Als schließlich auch Vater Dietz nach Hause gekommen war, konnte Willy in abendlicher Runde seinen staunenden Zuhörern von den Erlebnissen seiner abenteuerlichen Flucht aus Ostpreußen berichten.
Da der Einmarsch der Amerikaner am 25. März 1945 in Darmsstadt der Nazi-Herrschaft ein Ende setzte, hatte auch Willy Dietz wegen seiner Desertion nichts mehr zu befürchten. Auch konnte er sich erfolgreich einer Gefanngenahme durch die Alliierten entziehen.
