Walter Schneider, Kriegsteilnehmer vom 1939 bis 1945
Ein tabellarischer Lebenslauf von Walter Schneider befindet sich hier:

Walter Schneider mit Ehefrau Anneliese und Bruder Kar-Erich
Grundwehrdienst in Frankfurt – Hausen – November 1938
Nach seinem Vikariat Ende November 1938 wurde der angehende evangelische Pfarrer Walter Schneider zum Grundwehrdienst eingezogen. Vom 23.10.1938 bis zum 21.01.1939 absolvierte er eine Kurzausbildung als Kanonier bei der sog. „Flak“ (Flugabwehrkanone) einer Einheit der Luftwaffe zur Abwehr feindlicher Flugzeuge.
Seine Ausbildungskaserne war die größte Flak-Kaserne Deutschlands. 1938 eröffnet, war sie der Sitz des Flak-Regiments 29 und lag im Frankfurter Stadtteil Hausen.
Empfang der Rekruten |
Einkleidung |
Formalausbildung |
Stubenbelegschaft – Walter ganz links mit Zigarette |
Kameradschaftsabend – Walter dritter von links |
Winterkleidung |
Am 1.11.1939 wurde Walter Schneider vom Kanonier zum Gefreiten befördert.
Flak-Lehrgang Rerik – Wustrow
Der Ort Rerik
Halbinsel Wustrow
Am Ende der Grundausbildung im Januar 1939 fand ein zweiwöchiger Lehrgang in Rerik auf der Halbinsel Wustrow an der Ostsee statt. Der Ort Rerik liegt zwischen Salz-Haff und Mecklenburger Bucht, etwa 35 km westlich von Rostock.

Walters Einheit wurde hier im Scharfschießen geschult
Rerik war ein bedeutender Ausbildungs-Standort der deutschen Flakartillerie. Die Flakartillerie-Schule war ein Prestigeobjekt der Wehrmacht.

Besuch bei der Braut, Anneliese Schroeter in Marburg
Am 19. Januar 1939 kehrte die Einheit in die Kaserne nach Hausen zurück. Bevor die Rekruten aus der Grundausbildung entlassen wurden, mussten sie ihre Ausrüstung, ihre Geschütze und Waffen reinigen. Auf dem schnellsten Weg begab sich Walter danach zu seiner Verlobten nach Marburg, wo Anneliese Schneider im „Philippshaus“ bei der evangelischen Wohlfahrt arbeitete.
Kriegsbeginn
Der August 1939 war nicht nur ein Schicksalsmonat für Walter, sondern für die ganze Welt. Schlagartig folgten für ihn privat und weltpolitisch wichtige Ereignisse dicht aufeinander:

Hochzeit in Cölbe
Am 17.August 1939 legte Walter sein zweites Theologisches Examen in Barmen bei der Bekennenden Kirche ab, heiratet dann am 19.August 1939 Anneliese Schroeter in Cölbe an der Lahn und trat zwei Tage später seine Hochzeitsreise nach Süddeutschland und die Flitterwoche an.
Das Wetter in Deutschland war in diesen Tagen traumhaft. Wie viele Deutsche genossen die jungen Leute auf ihrer Reise unbeschwert die heißen Sommertage, nicht ahnend wie im Hintergrund vom NS-Regime der Krieg geplant wurde. Im Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 bereiteten die Diktatoren den Überfall auf Polen vor, den sie nur wenige Tage später am 1. September durchführten. Das war der Beginn des 2. Weltkrieges.
Die Mobilmachung im Deutschen Reich lief folglich im August 1939 auf Hochtouren. Walter ahnte nicht, dass in seiner Abwesenheit ein Einberufungsbescheid zum Miltiär an seinem Wohnsitz zugestellt wurde. Da er dieser Aufforderung wegen Abwesenheit nicht nachkommen konnte, wurde er von der Feldpolizei gesucht.
Auf ihrer kurzen Hochzeitsreise vom 21.-26. August besuchten die Neuvermählten alte historische Städte wie Würzburg, Rothenburg ob der Tauber und Heidelberg.
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Würzburg |
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Rothenburg ob der Tauber |
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Heidelberg
Dienstantritt im Krieg Sept 1939 – Breitenbach Kusel
Unmittelbar nach der Rückkehr aus den Flitterwochen, fing für Walter Schneider der harte militärische Alltag an. Gleich zu Beginn fand eine mehrtägige Ausbildung im Gelände unter simulierten Kriegsbedingungen statt. Bei Breitenbach/Kusel übten die Soldaten ab dem 4. September 1939, Schützengräben auszuheben und Unterstände zu bauen. Ihr Quartier war eine Hütte aus Stroh. Im Vordergrund stand der Umgang mit den Waffen. Immerhin durften sie dort noch Besuch von der Familie empfangen.
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Die Strohhütte
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Im Schützengraben
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Ausbildung mit der Gasmaske
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Waffenschulung
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Besuch von der Ehefrau in Breitenbach
Insel Juist – Nordsee von Ende Oktober bis 20. Dezember 1939
Die Flak-Artillerie musste mobil sein, um flexibel eingesetzt werden zu können. Deshalb wechselt Walter Schneider sehr häufig den Standort.
Übersetzen auf die Insel Juist


Walter dritter von links
Im Oktober 1939 wurde die Marineflakabteilung 226 (Norderney) aufgestellt. Der Küstenabschnitt Norderney der Seeverteidigung Ostfriesland umfasste die Inseln Norderney, Juist und Baltrum und unterstand dem Küstenbefehlshaber Ostfriesland. Der Bäderbetrieb auf den Inseln wurde eingestellt und zahlreich Hotels und Pensionen wurden vom Militär übernommen. So fand Walter Schneider Unterkunft in der Pension Haus Eckart auf Juist.

Am Strand in den Dünen standen die Geschütze, um feindliche Bomber vom Reich fernzuhalten. Der starke Flak-Einsatz war notwendig, weil die Insel in einem möglichen Einflug-Korridor feindlicher Bomber auf Emden und Wilhelmshaven lag.
1940
Norderney bis Juni 1940
Am 21.12. 1939 wechselte Walter seinen Standort und bezog mit dem Geschützt Stellung auf der Georgshöhe auf Norderney. In den Dünen von Norderney wurden über 60 schwere Geschütz- und Flak-Stellungen sowie Betonbunker errichtet.

Georgshöhe Quartier im Kaiserhof Strandpromenade

Im Sommer ließ es sich auf der Ferieninsel Norderney ganz ohne Touristen gut aushalten.
24. Mai 1940 Geburt der Tochter Christa in Cölbe/Lahn,Hessen, Deutschland
Britische Bomber griffen Norderney an. Einige Flak-Soldaten wurden getötet und mit militärischen Ehren und unter den Klängen des Liedes „Ich hatt‘ einen Kameraden“ beigestzt.

Lehrgang in Oldenburg im Okt./Nov. 1940

Der Fliegerhorst in Oldenburg diente während des Krieges als militärischer Stützpunkt und als Ausbildungsstätte für die Luftwaffer, zu der auch die Flak gehörte.
Im Frühjahr 1941 nahm Walter Schneider an weiteren Lehrgängen teil.
1941

In Grenznähe befand sich in Oksbøl an der dänischen Westküste nordwestlich von Esbjerg ein dänischer Truppenübungsplatz, Oksbøl-Lager genannt, der von der Wehrmacht in Anspruch genommen wurde.

Die deutschen Besatzer übernahmen das Gelände und erweiterten es zu einem mehrere Quadratkilometer großen Barackenlager, das mit bis zu 15.000 Soldaten belegt werden konnte. Walter wurde auf dem angeschlossenen Artillerie-Schießplatz am Flak-Geschütz im Scharfschießen ausgebildet.

Die Strahlen der Scheinwerfer werden am nächtlichen Himmel von dem Leuchtspuren der Flak-Geschosse durchkreuzt, ein gigantisches Lichtspektakel.
April-Mai 1941 Übung auf dem Darß, Zingst an der Ostsee

Auf dem Darß bei Zingst befand sich Flak-Schießplatz, der von der Luftwaffe und der Flakartilleriebis zum Ende des 2. Weltkrieges genutzt wurde. Walter hatte genügend Zeit, außerhalb seiner Dienstzeiten die Schönheiten der Gegend zu entdecken.

Standortwechsel: Bremen Juni 1941



Besuch von der Gattin in Bremen
Im Juni/Juli 1941 fand erneut eine Übung in Oksbøl bei Esberg in Dänemark statt.



erneuter Standortwechsel: Ende September 1941 Emden


Verladen der Geschütze
und wieder Standortwechsel: Dezember 1941 Hamburg (Schillerstraße 97)

An Weihnachten besucht Anneliese Schneider ihren Eheman in Hamburg

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Walter trägt an seiner Unteroffiziers-Uniform eine Auszeichnung, das sog. „Flakkampfabzeichen“
Das Flak-Kampfabzeichen der Luftwaffe sollte die Leistungen der Soldaten der Flakartillerie sowohl bei der Abwehr von Luftangriffen als auch im Erdkampf würdigen. Es wurde am 10. Januar 1941 durch den Oberbefehlshaber der Luftwaffe Hermann Göring gestiftet.
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1942
April 1942 Aufbruch von Hamburg nach Russland
Einen sehr langen Zeitraum vom September 1939 bis April 1942 – also 2 Jahre und acht Monate lang – konnte Walter Schneider an der sog. Heimatfront einen für Kriegszeiten relativ gefahrlosen Dienst tun. Dramatisch wurde im Reich die Situation erst ein Jahr später Mitte Juli 194r, als die Briten und Amerikaner ihe sog. „Rund-um-die-Uhr-Bombardierung“ des Reichsegebietes begannen und die deutschen Städte mit einem Bombenhagel überzogen . In dieser für die heimische Flak gefahrvolle Zeit befand sich Walter allerdings nicht mehr in Deutschland, sondern an der Ostfront im Einsatz.
Am 22. Juni 1941 überfiel Deutschland die Sowjetunion. Mit dem sog. „Unternehmen Barbarossa“ begann des deutsch-sowjetische Krieg.
Erst sehr viel später im April 1942 wurede Walter Schneiders Einheit – jetzt die leichte Flak 1/735 – an die Ostfront abkommandiert, die sehr weit im Inneren von Russland verlief.



Auf dem Weg zum Einsatzgebiet gab es keine Kampfhandlungen mehr. Die Soldaten mussten die Verwüstungen sehen, die der Krieg bisher angerichtet hatte.



Am Bug

Juli 1942 Dnjepropetrowsk
Unterwegs kam es zu Begegnungen mit der Bevölkerung, die extrem unter dem Krieg zu leiden hatte.

Am Bahnsteig fragten russische Frauen die Soldaten nach Brot

All diese Menschen lebten in der kleinen Hütte im Hintergrund
Sommer 1942 Fahrt auf dem Dnjepr
von Dnjepropetrowsk Richtung Dnjeprmündung nach Oleschky, Cherson, Ukraine


Krim – Schwarzmeerküste
Vom 13. bis 20. Juli 1942 hielt sich Walter Schneider an der Schwarzmeeerküste auf. Offensichtlich war der Krieg „so weit weg“, dass es für ihn beim Militär recht wenig zu tun gab. Immerhin hatte er die Zeit, eine Art touristische Besichtigungstour auf der Insel Krim an der Schwarzmeerküste zu unternehmen.



Walter in Tropenuniform
Zunächst besuchte er die Stadt Jalta.


Danach begab er sich in den in einem Vorort von Jalta gelegenen pürachtvollen Liwadia-Palast, die Sommerresidenz des letzten russischen Zaren Nikolaus II.



Was Walter damals nicht wissen konnte:
am 4. Februar 1944 trafen sich genau an diesem Ort die späteren Siegermächte. Roosevelt, Stalin und Churchill legten auf der sog. Konferenz von Jalta die Richtlinien für Nachkriegsordnung in Deutschland und Europa fest.
Lehrgang in Milec Polen
Im September 1942 wird Walter abkommandiert zu einem Lehrgang in Milec Polen östlich von Krakau, wo sich ein großer Truppenübungsplatz befand.



Zeit für einen Stadtbummel in Krakau
17. Sept 1940 Geburt der Tochter Ursula in Cölbe/Lahn,Hessen, Deutschland
1943
Jahreswechsel Jan 1943 Kiew
Während des Winters 1942/43 hatten die Soldaten mit extrem kalten Temperaturen zu kämpfen, wenn auch dieser Winter nicht so kalt war, wie der des Vorjahres; denn der Winter 1941/42 der kälteste des 20. Jahrhunderts. Die Wetterbedingungen hatten starken Einfluss auf das militärische Geschehen und führten in der Truppe zu zahlreichen Opfern durch Erfrierungen oder Entkräftung.


Trotz aller Widrigkeiten blieb genügend Zeit sich Schönheiten der Stadt Kiew anzuschauen.



24.1.1943 Dnjepropetrowsk




Anfang Februar 1943 befand sich Walters Einheit in Nowomoskowsk, heute SAMAR, östlich von Charkow und bei Tschuhujiw, südlich von Charkow, Ukraine
Im Februar und März 1943 tobte die Schlacht um Charkow(Charkiw) . Nach der Niederlage von Stalingrad verstärkte die rote Armee ihre Offensive an der gesamten südlichen deutschen Ostfront, so auch im Raum Charkow. Zwar konnte die Rote Armee die Stadt Mitte Februar 1943 vorübergehend einnehmen, wurde aber Mitte März wieder durch einen massiven deutschen Vorstoß aus Charkow gedrängt. Bei dieser Aktion verlor die Rote Armee 86.496 Mann (darunter 45.219 Tote und Vermisste).

März/April 1943 „Rasputzia“, die Schlammperiode
Ein typische Wetterphänomen in der Ukraine ist die Schlammperiode, die Rasputzia, die im Frühjahr bei Tauwetter und im Herbst bei Regen auftritt. Die aufgeweichten Böden machen die Wege für schweres Gerät praktisch unpassierbar, eine große Herausforderung für jeden Militärstrategen.
Der Versuch die Geschütze mit Muskelkraft zu bewegen scheitert.

Es müssen Pferdegespanne her, um die Kanonen wieder flott zu kriegen.

Mai 1943 Bjelspolje, Ukraine

Die Militärische Karrierre des Walter Schneider
Die zweite Jahreshälfte 1943 stand im Zeichen seiner militärischen Karrierre. Vom 24.5.1943 – 17.7.1943 nahm Walter Schneider an einem Vorauswahllehrgang für Kriegsoffizier-Anwärter teil.
Ein besonders Kritierium im Krieg ist die sog. „Bewährung vor dem Feind“. In einer Berurteilung heißt es:
„Schneider hat sich sowohl während des Einsatzes im Heimatgebiet als auch im Ostfronteinsatz vor dem Feind bewährt. “ Aus diesem Grund wurde er er konsequeenter Weise am 1.8.1943 vom Unteroffizier zum Wachtmeister befördert.
Am 20.10.1943 gab W. Schneider eine Erklärung ab, in der er den Wunsch äussert, Kriegsoffizier werden zu wollen.
Dieses Ansinnen wird von seinem Regimentskommandeur, Oberst T., unterstützt, so dass dieser am 11.11.1943 folgende Beurteilung verfasst:
„Schneider ist ein offener, gefestigter Charakter mit tadelloser Dienstauffassung. Trotz seines ruhigen Wesens versteht er es, seine Leute mitzureißen. Geistig überdurchschnittlich begabt, besitzt er eine rasche Auffassungsgabe. Aufgrund seines Körperbaus ist er größeren Anstrengungen nicht gewachsen. Schneider besitzt gute Waffenkenntnisse und eine sehr gute Allgemeinbildung. Er ist besonders befähigt, die Ausbildung seiner Untergebenen erfolgreich durchzuführen. Er verspricht nach weiterer Förderung, ein brauchbarer Kriegsoffizier zu werden.“
1944
1.1.1944 Ernennung zum Fahnenjunker
Drei Tage später wurde Wachtmeister W. Schneider zum Fahnenjunker ernannt.
Walters Einheit, die leichte Flak-Abteilung 1/735, wurde aufgelöst. Sie ging organisatorisch auf in der neu gebildeten Formation leichte Flak-Abteilung 78 (mot). Diese wurde im Februar 1944 in Rußland mit drei leichten Batterien aufgestellt. Die Bezeichnungen und Gliederungen von Batterien und Abteilungen veränderten sich häufig, oft als Reaktion auf Verluste oder neue strategische Anforderungen.
Ende April bis Ende Juli 1944 Kriegsschule in Göppingen
Als Flak-Offiziersanwärtern besuchte Walter Schneider die Luftkriegsschule 8 in Göppingen in Würtemberg, die für die Ausbildung von Flak-Offiziersanwärtern zustädnig war.
Nach dem Lehrgang im Juli 1944 wurde Walter Schneider zum Oberfähnrich der 2./lei. Flaktabteilung 78 (mot) befördert. Der Rang des Oberfähnrichs war die Vorstufe zum Offiziers-Rang Leutnant.

Als Oberfähnrich trug Walter schon die Offiziers-Uniform
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Die Teilnehmer des Offiziersanwärter-Lehrgangs in Göppingen

In der Freizeit machte Walter Ausflüge in die an Göppingen angrenzende Schwäbische Alb.
Juli 1944 Einsatz an der Westfront (Invasionsfront) in Saint Lo / Normandie
Am 6. Juni 1944 starteten Briten und US-Amerikaner die Invasion in der Normandie. Zur Verstärkung der Invasionsfront wurde Walters Einheit, die 2./lei. Flaktabteilung 78 (mot), im Juni 1944 in die Normandie verlegt allerdings ohne ihn, denn er befand sich ja noch auf dem Lehrgang in Göppingen. Glücklicherweise muss man sagen, weil Walter Schneider dadruch eine schreckliche Schlacht mit vielen Toten auf beiden Seiten erspart blieb.

Die eigentliche Schlacht um Saint-Lô, die vom 3. bis zum 20. Juli 1944, etwa einen Monat nach der Landung alliierter Streitkräfte in der Normandie, tobte, war praktisch schon geschlagen, als Walter Schneider eintraf. Das alliierte Bombardement zerstörte 95 % der Stadt und tötete über 1.000 der etwa 12.000 Zivilisten. Die alliierten Bodentruppen kamen nur schwer voran, da sich der deutsche Widerstand als stärker erwies als nach den schweren Bombardements vermutet. Die Alliierten hatten sehr hohe Verluste. Allein das XIX. US-Korps verlor bei der Eroberung fast 11.000 Soldaten. Der Durchbruch der Alliierten bei Saint-Lô war der Wendepunkt in der Schlacht in der Normandie. Die Kämpfe um Saint-Lô waren extrem verlustreich für die Wehrmacht, insbesondere für das II. Fallschirm-Korps. Die deutschen Großverbände im Raum St. Lô verloren an Kampfkraft und mussten sich zurückziehen.
Auch die 2./lei. Flaktabteilung 78 trat den Rückzug an und stand im August 1944 100 km weiter östlich in Argentan.
Nach dem Einsatz an der Westfront wurde Walter Schneider 14.9.1944 mit dem Tapferkeitsorden Eisernes Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

15. -16. September Idar-Oberstein
In Zusammenhang mit der Verleihung des EK 2 wurde Walter ein kurzer Sonderurlaub von der Front gewährt, den er in der Heimat verbrachte. Am 15. September 1944 traf er in Idar-Oberstein seine Frau Anneliese und seinen Vater Karl.

Walter mit Vater und Ehefrau kurz vor dem erneuten Abschied
Geburt des Sohnes Wolfgang am 11. April 1945 Mardorf, Amöneburg, Marburg-Biedenkopf, Hessen, Deutschland in Abwesenheit des Vaters
Wegen des raschen Vorrückens der US-Armee kapitulierten am 5. Mai 1945 in Süd- und Süd-West-Deutschland die unterlegen Heeeresgruppen der Wehrmacht. Innerhalb kürzester Zeit gerieten Hunderttausende deutscher Soldaten in Gefangenschaft. Unter ihnen war auch Walter Schneider.
Er kam in das von den Amerikanern provisorische hergerichtete Lager Heilbronn in Württemberg, wo er bis Juli 1945 blieb. Ihm wurde bald schon gestattet, im Lagerabschnitt der Offiziere als evangelischer Geistlicher tätig zu sein.
Im Juli 1945 beurlaubte die US-Militärbehörde Pfarrer Walter Schneider zum Hilfsdienst in der evangelischen Gemeinde Kröffelach/ Waldsolms im Lahn-Dill-Kreis.
Offiziell wurde er wenige Wochen später am 3. August 1945 aus der us-amerikanischen Gefangenschaft entlassen und begab sich umgehend zu seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern.

Der Kriegsheimkehrer mit Frau und Tochter Christa
Helmut Schmidt |
Nachtrag:
Als Walter Schneider im Sommer 1975 starb, schickte der damalige Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Schmidt, als Zeichen der Verbundenheit einen Kranz zur Beerdigung seines ehemaligen Wehrmachts-Kameraden. Beide gehörten der gleichen Waffengattung, der Flak, an und lernten sich während des Krieges kennen und schätzen. Schmidt war ab 1939 als Feldwebel der Reserve zur Luftverteidigung Bremens eingesetzt, einem Ort, an dem auch Walter Schneider zeitgleich Dienst tat. Schmidt war Experte für die Waffengattung kleinere Flak-Geschütze und hatte dazu auch eine Schießanleitung geschrieben. Außerdem war er Ausbilder auf Wustrow und in Kühlungsborn und war dort zeitweise stationiert. Danach kam er als Oberleutnant Referent im Reichsluftfahrtministerium und war dort zuständig für die Ausbildung und die Vorschriften für leichte und mittlere Flak. |





















