Monéglia – Wurzeln in Korsika

Korsika gehörte seit dem Mittelalter bis in die Neuzeit zum Einflussbereich der italienischen Städte Pisa und Genua.  Die Ligurer hinterließen nicht nur architektonisch und linguistisch, sondern auch demographisch ihre Spuren auf der Insel. Seit 1297 hatten sich die Genuesen an der Südspitze Korsikas, in der Hafenstadt Bonifacio, festgesetzt.  So ist es nicht verwunderlich, dass es dort italienstämmige Familien gab, die sich nach dem ligurischen Ort Monéglia benannten.

Typisch genuesische Brücke

Eine geborene Monéglia, deren Vorfahren aus Bonifacio stammen, ist auch die Urgroßmutter von Unser Enkel Noah und Keziah Lazayres, Nicole Monéglia. Die Monéglias in Bonifacio waren ursprünglich sog. „kleine Leute“, die in der Landwirtschaft oder als Matrosen arbeiteten.

Das änderte sich mit dem Anschluss Korsikas an Frankreich und mit dem Aufstieg des Korsen Napoleon zum Heerführer und Kaiser der Franzosen während der Französischen Revolution. Viele Korsen nutzen in dieser Zeit des Umbruchs die Chance zu einer raschen sozialen Karriere, indem sie sich ihrem Landsmann Napoleon als Soldaten zur Verfügung stellten.

So trat Nicoles Großvater, JEAN MONEGLIA (1840 – 1911) als Zwanzigjähriger im den Dienst Napoleons III. Ab dem 18. März 1860 war er Mitglied in der kaiserlichen Garde, einer Elitetruppe.

typische Uninorm der kaiserlichen Garde

Exkurs: Francois Louis Monéglia

Bereits 20  Jahre früher trat Jeans Onkel Francois Louis Monéglia, der Bruder seines Vaters Antoine, in den Dienst der kaiserlichen Armee. Er nahm an vielen Schlachten teil- Er wurde sogar „der Held von Solferino“ genannt und wurde  zum Offizier der Ehrenlegion gemacht. Seine  militärisch Laufbahn ist ein Paradebeispiel für die Möglichkeit eines sozialen und beruflichen Aufstiegs in jener Epoche.

Geboren am 23. Juni 1820 in Bonifacio auf Korsika, trat Moneglia 1841 in das 10. Bataillon des Chasseurs à Pied (Jäger zu Fuß) ein. In seiner Heimatstadt Bonifacio hatte das Militär eine alte Tradition. In seiner Dienstzeit als Soldat nahm er an mehreren Kriegen teil. Monéglia bewährte sich in der Zeit von 1842 bis 1846 bei Feldzügen in den Kolonien, insbesondere in Algerien. Aufgrund seiner Verdienste wurde er zum Unteroffizier befördert: 1844 wurde er Sergeant und 1848 Sergeant Major Am 11. April 1850 erhielt er als Unteroffizier nach neunjähriger Dienstzeit und der Teilnahme an sieben Feldzügen eine  Auszeichnung als Ritter der Ehrenlegion.

Der Krimkrieg (1853 bis 1856)

Der Ausbruch des Krimkrieges führte Moneglia, der mittlerweile zum Sous-Lieutenant befördert worden war, im Juni 1854 zu dem Chasseur de la Garde (Garde-Jägern). In diesem Konflikt, der durch verlustreiche Belagerungen und technologische Neuerungen im Kriegswesen gekennzeichnet war, zeigte Moneglia eine Tapferkeit, die mehrfach zu schweren Verwundungen führte. Am 16. Juli 1855 erlitt er eine schwere Prellung der rechten Hüfte durch ein Bombenfragment; nur neun Tage später, am 25. Juli, wurde er durch eine Kopfhautwunde und eine Lippenprellung verletzt, als er sich im Kampf gegen russische Truppen auszeichnete, die in die französischen Stellungen eingedrungen waren. Den Höhepunkt seiner Leiden im Krimkrieg bildete eine Verwundung durch ein Schrapnell-Splitter im rechten Oberschenkel während des Sturmangriffs auf Malakoff am 8. September 1855. Diese herausragenden Taten führten unmittelbar zu seiner Beförderung zum Lieutenant am 23. September 1855. 

Der Held von Solferino im Sardinischer Krieg (1859)

Die heldenhafteste Tat in Monéglias Karriere ereignete sich jedoch während des Italienischen Krieges von 1859. In der Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859 führte er eine Gruppe von Garde-Jägern durch einen schmalen Pfad um das Dorf Solferino herum. In einem kühnen Manöver gelang es ihm, zwei feindliche Geschütze zu erobern. Obwohl seine Einheit nach einem österreichischen Gegenangriff kurzzeitig Schutz in Gebäuden suchen musste, führte er seine Männer nach dem Eintreffen von Verstärkungen durch das 2. Garde-Regiment erneut zum Angriff und sicherte die Kanonen endgültig.

Francois Louis Moneglia  – Lieutenant au bataillon de chasseurs à pied Solferino

Kurz darauf fing Monéglia an einem Hohlweg eine Kolonne von fünf feindlichen Fahrzeugen ab, darunter vier Kanonen und ein Munitionswagen. Durch ein präzises Feuer aus nächster Nähe wurden die Pferde und Mannschaften des ersten Geschützes ausgeschaltet, was die gesamte Kolonne ins Chaos stürzte. Der österreichische Oberst, der die Geschütze befehligte, sah sich zur Kapitulation gezwungen und übergab seinen Degen an Lieutenant Moneglia.

Diese Trophäen wurden später Kaiser Napoléon III. persönlich präsentiert, was Moneglia eine sofortige Beförderung zum Capitaine am 4. Juli 1859 einbrachte.

Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 geriet er in deutsche Gefangenschaft.

Nach seiner Beförderung zum Chef de Bataillon im Jahr 1870 und seiner Ernennung zum Offiizier der Ehrenlegion (Nr. 12195) im Jahr 1872 trat Moneglia schließlich in den Ruhestand.

In selben Jahr, also im Alter von 52 Jahren, heiratete er seine 25jährige Nichte Flamina MAESTRONI.

Er  verstarb 1902 und wurde in Nizza mit militärischen Ehren beerdigt.

Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurde JEAN MONEGLIA wegen seiner Verdienste am 9. August 1870 in den Rang eines Leutnants befördert. Eine Woche später wurde er in der Schlacht bei Gravelotte (Metz), die vom 16. bis zum 18. August 1870 dauerte, verwundet. Nach dem Krieg wurde er Oberleutnant im 5. Regiment (3.3.1873) und schließlich Hauptmann des 14. Regiments in Brive (in der Nähe von Neuvic) von 14.9.1880 bis zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst im Jahr 1906.

JEAN MONEGLIA erhielt zahlreiche Auszeichnungen: Er war Ritter des Malteserordens, Träger des russischen Ordens der Heiligen Anna (1869) und Ritter der Ehrenlegion (21.2.1888).

Orden der Heiligen Anna

Seinen sozialen Status bekräftige er durch die Heirat von Marie Josephine Dupuy de Marquès, die aus einer angesehenen, alteingesessenen Familie der Corrèze stammte. Nach frühem Tod seiner Ehefrau heiratete er deren Schwester Louise Dupuy de Marquès , mit der er vier Kinder hatte. Louise war auch die Erbin des Stammsitzes der Familie im Zentrum von Neuvic in der Corrèze.

Die Häuser in Neuvic/Corrèze

Der gemeinsame Sohn Marie Jules Marc Monéglia (1891 – 1966) trat in den französischen Staatsdienst ein und war französischer Kolonialbeamter in Kambodscha. Er war zuständig für die Besoldung des europäischen und asiatischen Personals (Chefs de bureau de lre classe).

Marie Jules Marc Monéglia

 Er erhielt zahlreiche indo-chinesische Auszeichnungen. Der wertvollste Orden war die Goldmedaille des königlichen Ordens in Kambodscha. (13.4.1942) Er wurde mit dem  französischen Kolonialverdienstorden mit kambodschanischer Tradition dekoriert.Marc Monéglia war außerdem Offizier des kaiserlichen Ordens des Drachens von Annam (19.1.1943)

Kambodschanischer königlicher Orden

In seiner Jugend war Marc befreundet mit einem prominente Sohn Neuvics, Henri Queuille (1884 bis 1970). Queuille war Arzt, Politiker, Widerstandskämpfer, Abgeordneter und Minister in der IV. Republik.

Henri Queuille

1925 heiratete Marc Monéglia  in Saigon Jeanne Rose Durot,  die Tochter des  französischen Kolonialbeamten  aus Nordfrankreich Edouard Auguste Durot, der seit 1885 in Indochina Dienst tat.

Jeanne Rose Durot

Ein Jahr später kam deren Tochter Nicole in Saigon zur Welt. 1932 wurde eine zweite Tochter geboren, Odette. (Odette sollte später Paul Granet heiraten, der unter den Staatspräsidenten Jacques Chirac und Valéry Giscard d‘Estaing Staatssekretär war.)

Odette und Nicole Monéglia, 1937

Der zweite Weltkrieg führte in den Kolonien für die Monéglia  zu Veränderungen. Am 13. März 1945 erlangte Kambodscha auf Drängen der Japaner die Unabhängigkeit. Das war das vorläufige Ende der Kolonialzeit und damit auch der französischen Verwaltung. Jules Marc Monéglia, 54 Jahre alt, und seine Familie mussten das Land verlassen und kehrten wieder nach Frankreich zurück, wo sie noch die Hälfte des Hauses in Neuvic besaßen. 1921 war die rechte Hälfte des Hauses aus wirtschaftlichen Zwängen an Pierre Vialette verkauft worden.

Marc und Jeanne Monéglia  vor ihrem Haus in Neuvic, 1961

Im Jahr 2002 kaufte Jean Chaland diesen Teil wieder zurück und schuf für sich und seien Frau Nicole Monéglia einen Altersruhesitz.

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