Die Familie Schalk und die Mühle von Falkenstein

Einer meiner Ur-Großväter väterlicherseits war Wilhelm Schalk, geb. 1849,  der Vater der späteren Elisabeth Dietz, der Mutter meines Vaters. Er war der letzte Müller auf der Falkensteiner Obermühle. Als junger Mann leistet er Wehrdienst  in der Armee des hessischen Landesfürsten.

Wilhelm Schalk, Angehöriger des 4. Großherzoglichen Hessischen Infanterieregiments  Nr. 118 „Prinz Carl“ – Kriegsteilnehmer 1870/71

Die Lage der Mühle

Rund ein Jahrhundert lang  waren Sprösslinge der Familie Schalk die zuständigen Müller auf der Obermühle in Falkenstein, heute Stadtteil des Kurortes Königstein im Taunus im südhessischen Hochtaunuskreis.

historische Darstellung der Obermühle (rechts) dahinter sichtbar die Untermühle – Zustand um 1900

Der Ort trägt den Namen der über ihm thronenden Burg Falkenstein. Die aus dem 14. Jahrhundert stammende Burg ist heute nur noch eine Ruine.

Sie liegt in einem beliebten Wandergebiet am Fuß des dritthöchsten Berges im Taunus, dem Altkönig (knapp 800 m hoch) auf einem  Bergsporn in 450 m Höhe.

Historische Darstellung 

Von hier aus hat der Wanderer einen spektakulären, weiten Blick über die Hügellandschaft des Taunus in die Rhein-Main-Ebene. Der etwa elf Kilometer lange 3-Burgen-Weg ist als Rundweg angelegt und verbindet die drei Burgen Kronberg, Königstein und Falkenstein. Auf den Spuren des Mittelalters geht es vorbei an herrlichen Aussichtspunkten und vielen historisch bedeutsamen Orten.

Wandergruppe Juli 2020

 

 

Blick auf den Ort Falkenstein

Drei Generationen  SCHALK Müller auf der Obermühle Falkenstein

Von etwa 1800 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren Sprösslinge aus der Familie Schalk Pächter der Obermühle in Falkenstein, von der heute nur noch Mauerreste übrig sind. Der Erste, Johann Conrad Schalk, geb. 1775 in Dotzheim-Wiesbaden, war seit etwa 1804 Müller auf der Obermühle in Falkenstein. Sein Vater, Johann Christian Schalk, geb.am 3. März 1730, ein Migrant aus der Rothenburger Müllerfamilie, wurde Müller der Dotzheimer Straßenmühle, heute noch ein beliebtes Ausflugsrestaurant.

Ehemalige Dotzheimer Strassenmühle aus dem Jahr 1714 heute

Johann Christian Schalk, stammt aus einer Müllerdynastie, die in Rothenburg  ob der Tauber bis ins 17. Jahrhaundert zurückzuverfolgen ist: Ur-Ahn  Leonard Schalck, geb. um 1615, Müller auf der Schwabenmühle in Rothenburg ob der Tauber.

Die ehemalige Schwabenmühle heute am Taubertalweg in Rothenburg

Der Sohn des Müllers der Dotzheimer Mühle, Johann Conrad Schalk, heiratete 1801 die Tochter des Pächters Wellritzer Mühle in Wiesbaden, Marie Sophie Schwab. Ihr Vater Georg Christoph Schwabwar ebenfalls ein „Zugereister“ aus Franken, aus Markt Berolzheim , pachtete 1778 die Wellritzer Mühle.

Die Welritzmühle in Wiesbaden Klarenthal um 1990 …

 …  heute ein Wohnprojekt

Die Mühlenpacht

Wenige Jahre nach ihrer Hochzeit (1801)  übernahmen die Eheleute Johann Conrad Schalk und Marie Sophie Schwab die Obermühle in Falkenstein als Pächter. Das Mühlenrecht war ein herrschaftliches Privileg und sicherte einem adeligen Grundbesitzer die Eigentumsrechte, in diesem Fall Herzog Friedrich August von Nassau.

Herzog Friedrich August von Nassau 

Der Grundherr  vergab die Obermühle in  „Erbleihe“, also Erbpacht, an Johann Conrad Schalk. Dieser neue Pächter war nun ,Erbleihmüller‘. Juristisch gesehen war er „beschränkter Eigentümer“ oder „Nutzeigentümer“. Für die Übernahme der  Mühle musste Johann Conrad dem Herzog  als Sicherheit, eine sog. „Lehensware“, in Form von Bargeld (Gulden) zahlen. Neben einer regelmässigen Pachtzahlung an das Haus Nassau, musst er zusätzlich eine jährliche Pacht  in Form von Naturalien (Getreide oder Geflügel) abliefern. Zur Mühle und zur wirtschaftlichen Absicherung des Pächters gehörten nicht nur die Gebäude, sondern auch landwirtschaftliche Flächen und häufig auch Rechte am Waldbestand und an der Jagd. Hauptsäule der Einkünfte eines Müllers garantierte der sog. „Mühlenbann“, eine Art Monopol, das sicherstellte, dass bestimmte umliegende Erzeuger ihr Getreide nur bei ihm mahlen lassen durften.

Auf Grund dieser Einnahmen und ihres beträchtlichen Grundbesitzes gehörten die Müller zu den wohlhabenderen Einwohnern Falkensteins. Sie waren z.B. die einzigen im Dorf, die sich Pferde halten konnten.

Ein Müller vor einer sog. „Oberschlägigen Mühle“ bei der Arbeit

Als Johann Conrad Schalk 1844 starb, ging die Erbpacht der Mühle auf seinen Sohn Philipp Wilhelm über. Dieser war verheiratet mit Katharina Magdalena Schiela, einer Müllerstochter aus Oberliederbach.  Der Pächterwechsel war rechtlich geregelt in seinem sog. Mühlenbrief. Philipp Wilhelm Schalk  musste entsprechende Zahlungen leisten an den Grundherrn, zu jener Zeit Herzog Adolph von Nassau.

Herzog Adolph von Nassau

Bald schon nach der Übernahme der Mühle  sollten sich die wirtschaftliche Bedinungen für Philipp Wilhelm Schalk erheblich verändern.  Die fortschreitende Technisierung infolge der industriellen Revolution verdrängte immer mehr die traditionellen Wassermühlen. Hinzu kam, dass 1855 die Gewerbefreiheit eingeführt wurde. Die Bauern und Bäcker konnten nun  ihr Getreide dort mahlen lassen, wo sie wollten. Der alte Mühlenbann war aufgehoben, und es bestand kein „Mahlzwang“ mehr. Der Müller verlor seinen festen Kundenstamm, der ihm bisher eine gesicherte Einnahme garantierte.

Die nun entstehende moderne Großmühlen, die preiswerter wirtschaften konnten, brachten die herkömmlichen Wassermühlen in schwere Bedrängnis. Nach und nach mussten sie ihren Betrieb einstellen. Es setzte das sog. Mühlensterben ein.

In dieser schwierigen Phase übernahm Wilhelm Schalk, Mitte der 70er Jahre die Mühle. Ihm fiel die undankbare Aufgabe zu, den Mühlenbetrieb einstellen zu müssen. Er verließ Falkentstein und begab sich mit seiner Familie nach Mainz-Weisenau, dem Geburtsort seiner Ehefrau Elisabeth Berberich.

Ehefrau Elisabeth Schalk geb.  Berberich (um 1905)     

Tochter Elisabeth Dietz geb. Schalk (um 1955), meine Großmutter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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