Krikor Tchakalian – Opfer des türkischen Genozids am armenischen Volk

Krikor Tchakalian – Opfer des türkischen Genozids am armenischen Volk – Aghet genannt

Krikor (Gregor), der armenische Ur-Ur-Ur-Großvater von Keziah und Noah Lazayres, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Erzurum geboren. Die Stadt liegt in der heutigen Türkei im westlichen Siedlungsgebiet der Armenier auf einem Hochplateau Anatoliens.

Bereits um 300 n.Chr. wurden die Armenier christianisiert und bildeten den ersten christlichen Staat weltweit. Die bedeutende Handelsmetropole wurde 1520 dem osmanischen Reich einverleibt und nach und nach mit muslimischer Bevölkerung besiedelt. Die Armenier verhielten sich gegenüber den neuen türkischen Herren weitgehend loyal. Einige von ihnen gelangten sogar in hohe Staatsämter. Die kulturell eher europäisch geprägten Armenier der Westtürkei waren häufig wohlhabend und an einem sozialen Aufstieg orientiert. Wegen ihres höheren Lebensstandards wurden sie öfters von der ärmeren muslimischen Bevölkerung beneidet. Die Armenier gerieten in den Verdacht, mit dem europäischen Ausland gegen die Türkei zu konspirieren. Wegen nicht eingehaltener Reformversprechen der Türken entstand eine Unabhängigkeitsbewegung, die einen eigenen armenischen Staat forderte. Zur Zeit des aufkommenden Nationalismus wurde die armenische Bevölkerung Repressalien ausgesetzt. Sie musste z.B. eine doppelt so hohe Steuerlast tragen wie die Kurden. Es kam zu Revolten gegen diese Benachteiligungen. Der despotische osmanischen Sultan Abdülhamid II. veranlasste von 1894 bis 1896 Massaker an der armenischen Bevölkerung. Schätzungsweise 80.000 bis 300.000 Menschen wurden ermordet. Diese Morde waren die Vorboten des während des Ersten Weltkrieges begangenen Völkermordes an den Armeniern.

Am 30. Oktober 1895 führten osmanische Soldaten unterstütz von muslimischen Einheimischen in Erzurum, der Heimatstadt KrikorTchakalians, ein solches Massaker durch. Sie zerstörten die Häuser vieler Armenier und plünderten ihre Geschäfte.

Massen von völlig verarmten und hungrigen Flüchtlingen strömten aus dem Umland in die Stadt, in der Krikor eine Bäckerei betrieb. Angesichts der bedrohlichen Lage für sich, seine Frau Marussia und seine drei Söhne Pedros, Bogos (Paulus) und Hagop (Jakob) hatte Krikor wie viele seiner Landsleute zunächst an eine Flucht nach Russland gedacht. Er, der gläubige Christ, entschied sich zu bleiben und auf seine Gebete zu vertrauen, anders als sein Bruder Antranik Tchakalian. Dieser ergriff mit seiner Frau Olga und seiner Tochter Lucie 1896 die Flucht und nahm seinen siebzehnjährigen Neffen Pedros, Krikors Sohn mit auf die abenteuerliche, gefahrvolle Reise nach Russland, die ihnen letztendendes das Leben rettete. (Pedros Tchakalians Lebensweg wird in einem weiteren Artikel beschrieben.) In diesen Jahren der Drangsal verließen 100.000 Armenier auf ähnliche Weise ihre Heimat.

Krikor indes schöpfte Hoffnung auf Entspannung der Lage als 1908 die sog. Jungtürken den verhassten Sultan stürzten und eine Republik ausriefen, deren Verfassung auch den nationalen Minderheiten Rechte einräumen sollte. Bald jedoch wurden in den Reihen der Jungtürken die liberalen Kräfte verdrängt und nationalistisch pantürkisch gesonnene Politiker gaben die Richtung vor. Außenpolitische und militärische Rückschläge vor und während des Ersten Weltkrieges führten dazu, dass radikale Jungtürken – insbesondere Innenminister Talât Bey – die „Feinde im Innern“ ausmachten und ihre Vertreibung beschlossen, die in dem Deportationsgesetz vom 27. Mai 1915 besiegelt wurde. Unmittelbar, darauf kam es zu den berüchtigten Massendeportationen der Armenier aus ihren angestammten Wohnsitzen in die syrische und mesopotamische Wüste, um sie dort unausweichlichen der Vernichtung preiszugeben.

 

Todesmarsch der Armenier 1915

Am 14. Juni 1915 erreichte die Deportationswelle Erzurum. Krikor und seine Frau Marussia, die ihre Heimat zunächst nicht verlassen wollten und dann zu alt zur Flucht waren, wurden aus ihrem Haus geholt und in einem riesigen Treck zusammen mit ihren Landsleuten aus der Stadt getrieben. Sie starben grausam auf einem Todesmarsch durch Anatolien in die syrische Wüste an Hunger und Erschöpfung.

Schätzungsweise kamen zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Von den Armeniern selbst wird dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit als Aghet („Katastrophe“) bezeichnet. Der 24. April gilt als der offizielle Gedenktag für den Völkermord an den Armeniern.