Jean Chaland, der Weltenbummler

Zehn Jahre alt war der Großvater unserer Enkel Noah und Keziah,  Jean Maurice Tchakalian,  als er zusammen mit seinen drei Brüdern und seinen Eltern per Dekret am 20. Oktober 1932 französischer Staatsbürger wurde.      Ab sofort trugen die Mitglieder dieser Familie einen französisch klingenden Namen. Aus dem armenische Namen Tchakalian wurde Chaland. So wollte es der autoritäre französische Standesbeamte, der ihnen eine eigene Namenswahl verweigerte.

Jean Maurice Chaland hat seine eigene und die spannende Geschichte seiner armensichen Vorfahren in zwei autobiographischen novellenartigen Erzählungen wiedergegeben:

  • D’Erzeroum a Shanghai 1879-1946, Itineraire de Mon Pere Armenien (Französisch) Paperback
  • Yasumé – Une vie en Indochine: 1945-1965 – Autobiographie romancée (French Edition) (Französisch) Paperback – November 1, 2010

Pierre und Jeanette Chaland mit ihren Söhnen Gorges, Jean, Joseph und Henri

im Jahr 1939

Jean Chaland wurde in Shanghai als Sohn einer französichen Muter, die Tochter eines Kolonialbeamten und eines armenischen Geschäftsmanns, Pierre Tchakalian, geboren. Er verbrachte einen Großteil seiner Jugend in China, in dem ehemaligen französischen „Konzessionsgebiet“.  (Französisch verwalteter Distrikt von 1849 bis 1946 in der Stadt Shanghai)

Während er sich als Internatszögling des Albert-Sarraut-Gymnasiums  in Hanoi auf die Aufnahmeprüfung an der Militärakademie Saint-Cyr vorbereitete, brach der  Zweite Weltkrieg aus.

Als die Japaner am 9. März 1945 die noch verbliebene, in ihren Augen politisch „unzuverlässige“ französische Kolonialarmee handstreichartig entwaffneten und gefangen nahmen, kam Jean Chaland  als junger Leutnant in das Gefangenenlager von Hoa Binh (Tonkin).

Im August 1947 kehrte er nach Frankreich zurück und ging  zu Air France, wo er eine berufliche Laufbahn begann, die ihn nacheinander nach Marokko, Zentralafrika (früher AEF), Südvietnam, Laos und Nepal führte. In dieser Zeit  wurden ihm und seiner Frau Nicole geb. Monéglia die Töchter Sylvie und Nadine, und der Sohn Jean-Marc geboren.

Am Ende seiner beruflichen Laufbahn zog  Jean Chaland nach Carnoux-en-Provence, eine vorwiegend von „Pieds noirs“ (Franzosen aus den ehemaligen nordafrikanische Kolonien) besiedelte Gemeinde, in der er von 1983 bis zu seinem Ruhestand 2001 Bürgermeister war.

2002 kaufte er in Neuvic/Corrèze das Anwesen zurück, das einst der Familie seiner Frau Nicole Monéglia gehörte und die es wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten veräußern musste.

Später wurden Jean Chaland mehrere Erhungern zuteil: Er  wurde zum Offizier des Nationalen Verdinestordens und zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.

2011 gab die Kommune Carnoux einem öffentlichen Park mit Spielplatz seinen Namen.  Der  Parc Jean Chaland, bei dessen Einweihung er noch anwesend war, dient heute der Erholung von Jung und Alt.

Im hohen Alter unternahm der geisgtig noch sehr rege Greis diverse Reisen:  Mit 86 Jahren flog er z.B. nach Neuseeland, um die Familie seines Enkels Eric zu besuchen. 2011 – also mit 89 Jahren – besichtigte Jean Chaland auf Einladung der grünen Bundestagsabgeordneten Viola von Cramon zusammen mit Familienangehörigen den Reichstag in Berlin. Die Gruppe wurde individuell betreut durch die französischsprachige wissenschaftliche Mitarbeiterin Sarah Käßmann.

Nach kurzer Krankheit  starb er in Neuvic am 07.02.2014.